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Android-Ersatz:Warum Facebook ein eigenes Betriebssystem entwickelt

Facebook Mark Zuckerberg Oculus VR

Im April 2019 stelle Mark Zuckerberg auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 die VR-Brille Oculus Quest vor.

(Foto: Amy Osborne/AFP)
  • Facebook arbeitet an einem eigenen Betriebssystem, das die Abhängigkeit von Google reduzieren soll.
  • Bislang läuft auf Facebooks Virtual-Reality-Brillen eine angepasste Android-Version, also Google-Software.
  • Mark Zuckerberg wettet darauf, dass erweiterte und virtuelle Realität den Durchbruch schaffen und forciert die Entwicklung entsprechender Hardware.

Facebook besitzt ein gewaltiges Grundstück, auf dem zwei prunkvolle Anwesen stehen: der Android-Palast und die iOS-Villa. Die Gebäude haben Apple und Google errichtet, und sie geben die Hausregeln vor. Das Einzige, was Mark Zuckerberg selbst gestalten darf, ist die Innenarchitektur. Das will Facebook ändern: Es möchte vom Grundstücksbesitzer zum Bauherrn werden, um weniger abhängig von den Architekten der Konkurrenz zu sein.

Dieses Bild beschreibt, was das Tech-Portal The Information berichtet. Bislang entwickelt Facebook Hardware und eigene Apps, die dem Grundstück und der Einrichtung entsprechen. Jetzt soll alles aus einer Hand kommen: Facebook arbeitet an einem Betriebssystem, das dem Unternehmen die vollständige Kontrolle geben soll. Seit der Konzern vor fünf Jahren Oculus übernahm, stellt er Virtual-Reality-Brillen (VR-Brillen) her. Zudem produziert Facebook das Smart-Display Portal, das den Home- und Echo-Geräten von Google und Amazon ähnelt. Darauf läuft jeweils eine angepasste Version von Googles Betriebssystem Android - wodurch Facebook abhängig von seinem Konkurrenten bleibt.

Neben der Unabhängigkeit von Google hätte ein eigenes Betriebssystem einen weiteren Vorteil für Facebook: Das Unternehmen arbeitet derzeit an einer Augmented-Reality-Brille, wie der zuständige Produktmanager Ficus Kirkpatrick im Oktober bestätigte. Wenn auf einer solchen Brille, die möglicherweise als Instagram-Produkt vermarktet wird, ein Facebook-Betriebssystem liefe, wäre es für Kartellwächter schwieriger, das Unternehmen zu entflechten: Je enger Facebook seine Zukäufe Instagram und Whatsapp an sich bindet, desto schwerer wird es, den Gordischen Knoten aus den verschiedenen Systemen zu zerschlagen. Derzeit prüfen Aufseher in mehreren Ländern, ob und wie der Konzern reguliert werden kann.

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Mark Lucovsky, der für Microsoft maßgeblich an der Entwicklung von Windows beteiligt war, soll Facebooks eigenes Betriebssystem von Grund auf neu gestalten. Das Vorhaben ist aufwendig, zumal Facebooks bisherige Versuche in diesem Bereich gefloppt sind. Bevor das Unternehmen Hardware mit einem Facebook-System vorstellt, dürften also noch Jahre vergehen. Zuckerberg wettet darauf, dass virtuelle und erweiterte Realität die Art und Weise prägen werden, wie Menschen künftig Inhalte konsumieren. Noch lässt die VR-Revolution aber auf sich warten, die Technologie hat den Durchbruch auf dem Massenmarkt bislang nicht geschafft.

Werbung wird Facebooks wichtigste Einkommensquelle bleiben

Der Bericht von The Information erhärtet frühere Recherchen von Bloomberg und der Financial Times, wonach Facebook einen eigenen Chip bauen will, der Berechnungen für maschinelles Lernen und künstlichen Intelligenz beschleunigen soll. Wie groß Facebooks Ambitionen im Hardware-Bereich sind, zeigen nicht nur die Pläne für das Betriebssystem, sondern auch ein analoges Bauvorhaben: Der Konzern errichtet in Burlingame, nahe der Zentrale im kalifornischen Menlo Park, auf einem mehr als 70 000 Quadratmetern großen Areal einen neuen Standort. Etwa 4000 Angestellte sollen im kommenden Jahr einziehen, um AR- und VR-Produkte sowie andere Prototypen zu entwickeln. Besucher sollen dort Facebook-Hardware ausprobieren können wie in Apple- und Google-Stores.

Auf absehbare Zeit wird Facebook aber ein Unternehmen bleiben, dass sein Geld fast ausschließlich damit verdient, Daten zu sammeln und Werbeplätze zu vermarkten. Während Apple Hardware verkauft, bietet Facebook Aufmerksamkeit an. Daran dürften die Hardware-Projekte vorerst nichts ändern: Genau wie Google will Facebook die Daten, die es mit seinen Brillen und Lautsprechern sammelt, nutzen, um seinen Datenschatz zu vergrößern und noch zielgenauere Anzeigen schalten zu können.

© SZ.de/jab
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