Europa-Abgeordnete Julia Reda "Urheber von Anfang an fair bezahlen"

Warum wird diese Schutzdauer überhaupt am Tod des Autors festgemacht, und nicht am Tag der Veröffentlichung?

Das ist auch für mich nicht ganz logisch. Eigentlich soll das Urheberrecht ja Anreize schaffen, neue Werke zu kreieren. Meistens hört man das Argument, dass mit den langen Schutzfristen auch die Erben von den Werken leben können. Ich finde das aber mäßig überzeugend, da ja die Urheber auch das Geld, was sie zu Lebzeiten verdient haben, vererben können. Ich frage mich manchmal, ob die Urheber so vertröstet werden sollen, anstatt sie von Anfang an fair zu bezahlen. Viele Produzenten, beispielsweise Fernsehsender, rechtfertigen niedrige Honorare damit, dass die Autoren ja mit jeder Wiederholung erneut entlohnt werden. So entstünde dank der langen Schutzfristen allmählich ein gesichertes Einkommen. Ich glaube, dieses Modell wird im Internet-Zeitalter zunehmend schwierig. So etwas wie Wiederholungen von Sendungen wird es irgendwann nicht mehr geben.

Abgesehen von den Schutzfristen: Was würden Sie am bestehenden Urheberrecht noch ändern wollen?

Man könnte beispielsweise die Verhandlungsposition der Autoren gegenüber den Rechteverwertern verbessern. Anstatt dass Urheber ihre kommerziellen Rechte komplett an Rechteverwerter abtreten, könnten sie sie für einen bestimmten Zeitraum lizensieren. Wenn dieser Zeitraum abgelaufen ist und der Rechteverwerter keinen Gebrauch davon macht, dann würden sie automatisch an den Autor zurückfallen. Es gibt solche Vertragsregelungen gelegentlich bei Journalisten oder Autoren, aber das ist bislang komplett freiwillig.

Und wie können die Nutzer von einem neuen europäischen Urheberrecht profitieren?

In der Vergangenheit war das Urheberrecht ein Rechtsgebiet, das fast nur kommerzielle und professionelle Transaktionen in der Verlags- oder Musikindustrie betroffen hat. Im Internetzeitalter betrifft es alle, die im Internet Inhalte produzieren - da reicht schon ein Facebook-Posting oder ein hochgeladenes Urlaubsfoto. Es betrifft also fast jeden. Dafür, dass im Alltag potentiell jeder Gefahr läuft, gegen dieses Gesetz zu verstoßen, ist es einfach viel zu komplex. Das Urheberrecht muss klarmachen, dass durch einfache kulturelle Handlungen wie beispielsweise Mashups von Youtube-Videos oder dem Gif-Bild eines fünfsekundigen Filmclips in einem Blog-Posting keinerlei kommerzieller Schaden entsteht.