Die Reform bringt junge Menschen auf die Straße

"Ihr werdet euch noch wünschen, wir wären politikverdrossen", schrieb iOS-Entwickler und Blogger Max von Webel 2009. "Ihr werdet euch noch wünschen, die Mails wären alle von Bots gekommen", schreibt Julia Reda zehn Jahre später. Diese Parole griffen am Wochenende etwa 1500 junge Menschen auf, die in Köln gegen Artikel 13 demonstrierten. "Wir sind keine Bots", skandierten sie und bezogen sich dabei auf Behauptungen der Reformbefürworter, dass kritische Tweets und E-Mails vor allem von Maschinen gekommen seien.

Das klingt nach einer kleinen Kundgebung, allerdings war der erste Aufruf lediglich zwei Tage zuvor veröffentlicht worden. Somit blieb kaum Zeit zur Mobilisierung. In sozialen Medien löste die spontane Demonstration viele Reaktionen aus und landete in den Twitter-Trends. Ein Livestream des Youtubers Herr Newstime wurde bislang knapp 200 000 Mal angeschaut, PietSmiet sammelte 150 000 Klicks. Mehr als eine halbe Million Menschen sahen das Video des Youtubers Luca, der ebenfalls von der Demo berichtet.

Köln könnte nur der Anfang gewesen sein: Das Bündnis "Save the Internet" ruft zu Demonstrationen in ganz Europa auf. Am 23. März sind Proteste in München und Frankfurt geplant. Auch große Youtuber machen gegen die Reform mobil. Voraussichtlich im April stimmt das EU-Parlament endgültig über die Richtlinie ab.

Falls sich die Abgeordneten von den Protesten beeindrucken lassen, könnte die Urheberrechtsreform dasselbe Schicksal wie das Anti-Piraterie-Abkommen Acta nehmen. Auch Acta wurde jahrelang verhandelt, führte zu heftigen Lobbykämpfen, verunsicherte Millionen Menschen und brachte schließlich Hunderttausende auf die Straße. Im Juli 2012 stoppte das EU-Parlament das Abkommen.

Bild: Screenshot Youtube / PietSmiet 18. Februar 2019, 18:542019-02-18 18:54:05 © SZ.de/rus