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Epic Games vs. Apple:Bei diesem "Battle Royale" wird es viele Verlierer geben

Spieler können derzeit zwar weiterhin Fortnite spielen, wenn sie es noch installiert haben. Neu herunterladen oder aktualisieren ist für iPhone-Nutzer aber nicht mehr möglich.

(Foto: CHRIS DELMAS/AFP)

Fortnite-Entwickler Epic Games hat eine Rebellion gegen Apple gestartet. Es geht um die Kontrolle darüber, unter welchen Bedingungen Apps in Zukunft auf die Smartphones kommen.

Kommentar von Valentin Dornis

Bei einem "Battle Royale" kämpfen die Gegner so lange in einer Arena gegeneinander, bis nur noch einer übrig ist. Dieser Spielmodus ist bei Videospielern auf der ganzen Welt extrem beliebt. Doch was virtuell so gut läuft, sorgt nun für Streit in der realen Welt. In der Arena dabei: Apple, Google, Spotify, Facebook - und Spiele-Entwickler Epic Games. Eine Art Battle Royale der großen Tech-Firmen, die um die Macht im Smartphone-Universum ringen. Es geht um die Kontrolle darüber, unter welchen Bedingungen Apps in Zukunft auf die Handys kommen. Am Ende dieser Auseinandersetzung könnte es viele Verlierer geben.

Epic Games, das mit Fortnite eines der derzeit erfolgreichsten Battle-Royale-Videospiele herausbringt, inszeniert den Streit als Freiheitskampf. Das Unternehmen rebelliert gegen Apple, es geht um Macht und viel Geld. Denn Apple behält 30 Prozent der Kaufpreise von kostenpflichtigen Apps und von In-App-Käufen ein. Das versuchte Epic Games zu umgehen - woraufhin Apple das Fortnite-Spiel aus dem App-Store schmiss. Doch der Spielentwickler war gut vorbereitet und reagierte mit einer Klage.

Die Streitfrage ist, ob Apple seine Marktmacht ausnutzt. Das Unternehmen kontrolliert, welche Apps für seine Geräte angeboten werden und diktiert die Bedingungen. Wer eine App für iPhones und iPads herausbringen will, der muss mitspielen, oder er hat keine Chance. Man stelle sich das auf einem Wochenmarkt vor: Apple gehört der einzige Marktplatz, es baut alle Transporter und Stände, probiert jede Wurst, bevor sie verkauft wird, und behält am Ende auch noch 30 Prozent dieser Umsätze. Das ist vor allem für kleine Entwickler hart, die meist noch nicht einmal Gewinn machen. Die Nutzer müssen mehr bezahlen, weil die Gebühren in der Regel an sie weitergereicht werden. Epic Games hat also gute Argumente dafür, dass Apple seine marktbeherrschende Stellung ausnutzt.

Bei Google, mit dem die Spielentwickler ebenfalls streiten, sieht es etwas anders aus: Der Konzern behält ebenfalls etwa ein Drittel der Einnahmen mit kostenpflichtigen Apps und In-App-Käufen im Playstore, erlaubt Android-Nutzern aber, Apps auch woanders herunterzuladen. In der Realität tut das allerdings nur ein Bruchteil der Nutzer.

So scheinen die Rollen klar verteilt. Doch Epic Games kämpft natürlich nicht für die Freiheit der kleinen Entwickler und die Geldbeutel der Nutzer, sondern in erster Linie für sich selbst. Der Konzern will seinen eigenen App-Store zum wichtigsten Marktplatz für Spiele machen. Dort verlangt Epic Games keine 30, aber immerhin zwölf Prozent Anteil an den Umsätzen, bindet Entwickler mit Exklusivverträgen an sich und stellt ihnen Bedingungen, wenn sie Store nutzen wollen. Eigentlich will Epic Games also vor allem eines: Kalif anstelle des Kalifen werden.

Der Ausgang dieses Streits, in den sich auch Spotify, Facebook und große US-Verlage eingeschaltet haben, wird darüber entscheiden, wie in den kommenden Jahren Apps auf unsere Smartphones kommen - und wer damit das große Geld verdient. Apple und Google argumentieren zurecht mit der Sicherheit: Ihre Marktplätze sind eine relativ gut gegen Hacker und Viren geschützte Umgebung, vor allem Apple prüft alle Apps streng. Epic Games dagegen will, dass jeder seine Apps überall herunterladen kann, im Zweifel also auch aus dubiosen Quellen. Doch das ist nicht realistisch. Der durchschnittliche Nutzer wird sich zur Sicherheit weiterhin an den großen Namen orientieren, denen er vertraut. Epic Games wettet darauf, dass es selbst zu diesen vertrauenswürdigen Marken gehört und dann einen ordentlichen Teil des Geschäfts abbekommt.

Alle haben in diesem Streit viel zu verlieren. Apple, weil es mit der Umsatzbeteiligung viel Geld verdient und der Konzern droht, es sich mit einer ganzen Generation junger, zahlungskräftiger Handy-Gamer zu verscherzen. Epic Games, weil es finanziell unterlegen ist. Das Unternehmen hat zwar etwa eine halbe Milliarde Spieler hinter sich und wird mit 17 Milliarden Dollar bewertet. Allerdings hat Apple allein 200 Milliarden Dollar an Bar-Reserven. Je länger der Streit dauert, desto eher wird Epic Games aus finanziellen Gründen klein beigeben müssen. Für die kleinen Entwickler wird sich die Situation ohnehin kaum verbessern, weil sie mit ihren Apps so oder so auf Marktplätze angewiesen sein werden, bei denen einzelne Konzerne die Bedingungen diktieren.

Die beste Lösung wäre etwas, das im "Battle Royale" eigentlich nicht vorgesehen ist: ein Kompromiss. Apple müsste seine Umsatzbeteiligung reduzieren und auch andere Zahlungsmethoden außerhalb des Appstores erlauben, und Epic Games sich mit diesen Zugeständnissen zufrieden geben, statt nach noch mehr Macht zu streben. Das wäre die Variante, von der die Spieler am meisten profitieren würden.

© SZ/mxm
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