Entwicklerkonferenz I/O:Googles Plan: Nonstop mithören

Mario Queiroz

Mit "Home" präsentiert Google ein neues Produktkonzept.

(Foto: AP)
  • Google hat ein neues Produkt vorgestellt: Home ist eine digitale Schaltzentrale, die sich Käufer in ihr Haus stellen können.
  • Home reagiert auf Sprachbefehle - und soll Menschen dabei helfen, Aufgaben zu erledigen.
  • Amazon hat bereits ein vergleichbares Produkt namens Echo auf den Markt gebracht. Es ist ein Überraschungs-Hit.
  • Die Forschritte im Bereich künstliche Intelligenz sind erstaunlich, wenn auch weit davon entfernt, perfekt zu sein.

Von Hakan Tanriverdi, New York

"Talk talk talk talk talk talk talk. That's what everybody and they mama wanna do." So beginnt der Song W.E.R.K. Pt. II der US-Rapperin Lizzo. Google hat sich dazu entschieden, den Song während der Entwickler-Konferenz I/O früh am Anfang zu spielen. Denn der Song enthält eine Botschaft, an die Google glaubt. Die ganze Welt will sprechen. Sie will nicht tippen, keine SMS schreiben und diese vor dem Abschicken von der Autokorrektur erst noch mit Fehlern spicken lassen.

Der Song der Rapperin geht aber weiter. "Whomp whomp whomp. Remote please, mute!" Whomp ist der Sound aus der Zeichentrick-Serie Peanuts. Das Brabbeln der Lehrerin, unverständliches Geräusch aus der Ferne, uninteressant. Das will niemand hören, das muss man stumm stellen.

20 Prozent aller Suchanfragen über Smartphones kommen per Sprachbefehl

Das wiederum dürfte der Teil des Songs sein, gegen den Google wettet. Google-Chef Sundar Pichai hat dafür recht schnell eine Antwort parat, wie sie für einen Daten-Konzern typisch ist: Zahlen. Jede fünfte Anfrage auf Smartphones erfolge schon jetzt über die Stimme. Wie sähe eine Welt aus, in der es ein System gibt, in dem sich die Stimme sprichtwörtlich entfalten kann? Das ist die Welt, an der Google arbeitet.

Also hat der Konzern reagiert - und ein Produkt veröffentlicht, das sich Google Home nennt: Ein Lautsprecher in Zylinderform, eine Art geköpftes Ei mit integrierten Mikrofonen. Es ist gedacht als Schaltzentrale für Nutzer, um eine Vielzahl an Produkten zu steuern: Essen oder Taxis bestellen, Musik abspielen, Terminkalender pflegen, Filme schauen, Nachrichten in der neuen App Allo schreiben, im Internet suchen.

Nutzer, die die Streaming-Sticks von Chromecast besitzen, können Google Home anordnen, Musik nur in einem bestimmten Zimmer zu spielen. All das soll über Sprachbefehle geregelt werden - baut also auf einem System auf, das unter dem Namen Google Now bereits seit vier Jahren existiert. Dieses System wird Home nutzen.

Das Gerät ist always on, also allgegenwärtig, hört im Hintergrund mit und reagiert erst dann, wenn Sätze mit "Ok Google" eingeleitet werden. Ein konkretes Datum für den Verkaufsstart wurde nicht genannt. Google wird sich in den kommenden Monaten mit Entwicklern treffen und entscheiden, welche Apps mit Home interagieren werden. Sprich: Wenn ein Taxi bestellt wird, kommt dann auch wirklich ein Taxi oder kommt ein Uber?

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