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Enthüllungsplattform Wikileaks:Neues Loch in Frankreich

Enthüllungsplattform unter Druck: Der Zugriff auf Wikileaks über den französischen Hauptserver funktionert nicht mehr. Nicht die einzige schlechte Nachricht für Plattform-Gründer Julian Assange.

Kein Tag vergeht ohne neue Hiobsbotschaften für Wikileaks: Nun ist die Enthüllungsplattform auch über ihren Hauptserver in Frankreich nicht mehr erreichbar, wie Schweizer Unterstützer des Projekts am Sonntag mitteilten.

A screen shot of a web browser displaying the WikiLeaks website with a picture of its founder Julian Assange in Bern

Wikileaks hat zunehmend Probleme, erreichbar zu bleiben: Nachdem am Donnerstag die internationale Web-Adresse wikileaks.org abgeschaltet worden war, ist die Plattform nun auch nicht mehr über den französischen Hauptserver erreichbar.

(Foto: Reuters)

Denis Simonet von der Schweizer Piratenpartei sagte der Nachrichtenagentur AP, die Adresse wikileaks.ch werde auf einen anderen Server umgeleitet. Der Vorgang könne einige Stunden dauern, unter der numerischen IP-Adresse ihres schwedischen Servers sei die Internetseite mit den seit einer Woche einsehbaren Geheimdokumenten aus dem diplomatischen Dienst der USA aber weiterhin aufrufbar. Ein Grund für den Ausfall des französischen Servers wurde zunächst nicht genannt.

Die Luft wird immer dünner für Wikileaks

Der französische Industrieminister Eric Besson hatte es am Freitag als "inakzeptabel" bezeichnet, dass die Enthüllungsplattform von Frankreich aus betrieben werde und damit gedroht, den Dienst von inländischen Servern zu verbannen.

Die internationale Webadresse von Wikileaks war bereits am Donnerstag von dem US-Unternehmen EveryDNS abgeschaltet worden. Die Verwalter von wikileaks.org hatten erklärt, die Abschaltung sei notwendig geworden, da es wiederholt zu Angriffen auf die Adresse gekommen sei, was die gesamte Infrastruktur des EveryDNS-Netzwerkes gefährdet habe.

Die Internet-Adresse wikileaks.ch, die am Freitag zur Hauptseite der Enthüllungsplattform wurde, steht unter der Kontrolle der Schweizer Piratenpartei. Der Schweizer Domain-Name wird jedoch über einen Server der französischen Firma OVH betrieben.

Eine gute Nachricht gibt es jedoch auch: Unterstützer von Wikileaks haben angesichts der Zugriffsprobleme bis Sonntag mehr als 70 andere Adressen für die Enthüllungsplattform eingerichtet. Mit solchen "Mirrors" (Spiegelungen) der Website an unterschiedlichen Orten werde es unmöglich, "Wikileaks jemals völlig aus dem Internet zu verbannen", erklärten die Betreiber der Plattform.

Neues gibt es auch Fall Julian Assange: Die schwedische Justiz schließt ein Verhör des Wikileaks-Gründers in London wegen der gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe aus. Einen entsprechenden Vorschlag des in England untergetauchten 39-Jährigen lehnte Oberstaatsanwältin Marianne Ny ab. Die Anklägerin hat einen Haftbefehl ausgestellt und den Australier zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.

Staatsanwältin schließt Auslieferung von Assange an die USA aus

Zu dem von Assanges Londoner Anwalt Mark Stephens übermittelten Vorschlag eines Verhörs auf britischem Boden sagte Ny im Sender TV4: "Das kann ich nicht machen. Ich muss die Regeln für Kontakte und Verhöre auf fremdem Territorium befolgen."

Ny hatte Mitte der Woche erklärt, dass sie von den britischen Behörden die umgehende Festnahme sowie anschließend die Auslieferung des Australiers erwarte. Dieser hält sich an einem geheimen Ort in England auf und will sich einer Auslieferung nach Schweden juristisch widersetzen. Dass Assange von Schweden an die USA ausgeliefert werden könnte, schloss Ny aus. Sie sagte: "Das ist in einem Fall wie diesem nicht möglich."

Nach der Veröffentlichung von Hunderttausenden geheimen Dokumenten aus US-Botschaften durch Wikileaks hat der Australier die Befürchtung geäußert, dass ihm Geheimdienste oder andere US-Stellen nach dem Leben trachten könnten.