Enthüllungen zu Guantanamo Wikileaks: Probleme über Probleme

Domscheit-Berg hatte im Februar erklärt, unveröffentlichtes Datenmaterial sowie Software "sichergestellt" zu haben, als er Wikileaks im Sommer 2010 verlassen habe. Als Grund gab er an, dass die Daten bei Wikileaks nicht mehr sicher seien. Assange verlangt nun über einen Anwalt von Domscheit-Berg, die Dokumente herauszugeben.

Die größten Internet-Rivalitäten

Neid unter Nerds

Auf Anfrage von sueddeutsche.de dementiert Domscheit-Berg energisch, in den aktuellen Fall verwickelt zu sein. "Ich habe den Tweet gestern mit großem Erstaunen gelesen und weiß selbst nicht, was dieser Vorwurf soll", schreibt er in einer E-Mail. "Ich musste zwar schon häufiger als Generalverdächtiger herhalten, es ist aber immer wieder komisch. (...) Ich hatte keinen Zugriff auf diese Dokumente und habe auch nicht mit der New York Times oder sonst wem konspiriert."

Als sicher gilt, dass die Datensätze offenbar aus dem gleichen Fundus stammen, aus dem schon die Irak-Videos und die US-Botschaftsdepeschen kommen. Es wird vermutet, dass der US-Soldat Bradley Manning die Geheiminformationen an Wikileaks weitergegeben hat. Manning wartet derzeit auf seinen Prozess, ihm droht eine lange Haftstrafe.

Mit den Veröffentlichungen ist Wikileaks wahrscheinlich seine vorerst letzte große Militärenthüllung gelungen. Einzig ein Kriegsvideo aus Afghanistan soll aus dem zugespielten Paket noch nicht publiziert worden sein.

Hochlade-Mechanismus außer Betrieb

Hinter der Zukunft der Organisation stehen viele Fragezeichen: In erster Instanz hat ein Londoner Richter die Auslieferung Assanges nach Schweden erlaubt, der Fall geht nun in die Berufung.

Neben den privaten Problemen Assanges lähmen auch technische Schwierigkeiten die Plattform: Der Hochlade-Mechanismus funktioniert bereits seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr - der Nachschub an neuen Enthüllungsmaterialien ist also bereits seit langem unterbrochen.