bedeckt München 21°

Elektronischer Reisepass:Der gegrillte Daumen

Mehr als zehn Zentimeter darf die Entfernung zwischen Pass und Lesegerät nicht betragen. Auch dann nicht, wenn die Sendeleistung des Lesegerätes hochgefahren wird. Im Labor sei das ausgiebig getestet worden, sagt NXP-Techniker Bartels. Die Sendeleistung wurde so hoch gefahren, dass die Festplatten umstehender Computer gelöscht wurden. Der Chip im Reisepass hat sich davon nicht beeindrucken lassen.

Matthias Merx, in der Bundesdruckerei zuständig für alles was mit dem E-Pass zu tun hat, hält das System nicht nur für sicher, er hält es sogar für sehr sicher: "Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten zehn bis 15 Jahren nicht geknackt werden kann." Gemessen an der Geschwindigkeit, mit der Hacker andere angebliche Hochsicherheitssysteme geknackt haben, eine geradezu unglaubliche Zeitspanne.

Wer also skeptisch bleibt, der kann seinen E-Pass immer noch in Alufolie einwickeln. Dann ist das Reisedokument tatsächlich abgeschirmt. Eine etwas rabiatere Methode ist im Internet zu finden: Den Pass einfach für eine halbe Minute in der Mikrowelle garen, dann ist der Chip hinüber. Und das hat, zumindest in Deutschland, keinerlei Konsequenzen: "Der Pass verliert nicht seine Gültigkeit, wenn der Chip defekt ist", versichert Martin Schallbruch, im Bundesinnenministerium verantwortlich für das Projekt ePass.

Reisen in die USA dürfte mit defektem Chip allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein. Die Vereinigten Staaten haben den funktionierenden E-Pass zur Voraussetzung für die visafreie Einreise gemacht.

© sueddeutsche.de
Zur SZ-Startseite