Elektronischer Reisepass Der gegrillte Daumen

An Haushaltstipps, den neuen E-Pass vor Missbrauch zu schützen, mangelt es nicht. Dabei kann die neue Technik mehr als Kritiker befürchten.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Reisepass in Alufolie: Klingt wie ein äußerst exotisches Fetisch-Gericht, soll aber angeblich davor schützen, dass die Daten im elektronischen Reisepass ungehindert ausgelesen werden können. Urheber dieses Tipps ist Peter Schaar, der oberste deutsche Datenschützer. Ein anderes Datenschutz-Schwergewicht wendet diesen Ratschlag sogar selbst an: Jörg Ziercke, Chef des Bundeskriminalamtes, soll seinen in Alufolie gewickelten Reisepass während einer Expertenanhörung im Bundestag vorgezeigt haben.

Ab dem 1. November werden nur nur Reisepässe mit Fingerabdruck ausgegeben.

(Foto: Foto: Bundesdruckerei/Franka Bruns)

Der elektronische Reisepass ist seit 2005 im Einsatz. Etwas über vier Millionen Exemplare wurden seit dem unter das reisewillige Volk gebracht. Bisher werden auf den Chips Passbild und die persönlichen Daten gespeichert. Diese können von Zollbeamten mit Hilfe spezieller Geräte wieder ausgelesen werden. Ab 1. November tritt die zweite Stufe in Kraft. Dann werden Reisepässe nur noch herausgegeben, wenn die Antragsteller ihre Fingerabdrücke hergeben.

Unter Datenschützen war die Aufregung von Beginn an groß. Der Aufwand sei hoch, der Nutzen gering und unsicher sei die Technik obendrein. Die Reisepässe werden drahtlos ausgelesen. Die Datenschützer befürchten, dass jeder, der mit etwas technischem Sachverstand ausgestattet ist, ebenfalls an die Informationen herankommen, sie kopieren, manipulieren und damit eigene, falsche Pässe erstellen kann.

Fachleute bestreiten dies. Einer davon ist Cord Bartels vom Chiphersteller NXP, einem Tochterunternehmen des Philips-Konzerns. In einem Workshop zum E-Pass in den Räumen der Bundesdruckerei in Berlin zeigte er den Grundfehler, den die meisten Kritiker aus seiner Sicht machen: Sie verwechseln RFID-Chips mit der "kontaktlosen Nahbereichstechnik", die in den Reisepässen verwendet wird.

Der wesentliche Unterschied: RFID-Chips sollen die auf ihnen gespeicherten Informationen möglichst weit senden, bis zu zehn Meter. Einsatzgebiet wäre etwa der Supermarkt. Wird jedes Produkt mit RFID-Chips ausgestattet, muss sich der Kunde mit dem vollen Einkaufswagen nur noch vor die Kasse stellen und in sekundenschnelle sind sämtliche Artikel eingebongt.

Im Reisepass dagegen wird eine Technik eingesetzt, die die Auslesedistanz auf maximal zehn Zentimeter begrenzt. "Mehr ist nicht drin", sagt Cord Bartels. Er bleibt so lange passiv, bis er in ein Lesegerät eingelegt wird. Der Chip bekommt dann drahtlos Energie zugeführt, wacht auf und sendet seine Daten.

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