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Ebay, Amazon und Co.:Steuersünder-Suchmaschine

Schwarzhändlern im Internet geht es an den Kragen: Mithilfe einer Software scannen Finanzbehörden täglich 100.000 Webseiten.

Til Knipper

Ihre Modeboutique hatte die Besitzerin ordnungsgemäß als Kleinunternehmen beim Gewerbeamt angemeldet. Ihre Nebentätigkeit, einen florierenden Internethandel für DVD-Rekorder, verschwieg sie den Behörden allerdings. Folge: Für zwei Jahre musste sie 430.000 Euro Umsatzsteuer nachzahlen, zusätzlich kam noch die Ertragssteuer auf die Gewinne hinzu.

Auf die Schliche gekommen sind ihr die Steuerfahnder durch den Einsatz der Suchmaschine Xpider. Mithilfe der Software scannen die Behörden täglich 100.000 Internetseiten, wie die Bundesregierung jetzt auf Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion mitteilte. Dabei durchsucht die Software systematisch Verkaufsplattformen aller Art, sammelt öffentlich zugängliche Daten und stellt Verbindungen zwischen Angeboten und Verkäufen eines Anbieters zusammen.

Die so gewonnenen Informationen gleicht das Programm mit anderen öffentlichen Daten, wie Handelsregistereinträgen oder Umsatzsteuernummern ab. Ein besonderer Augenmerk ist dabei auf Internetauktions- und Handelshäuser wie Ebay oder Amazon gerichtet, weil dort die meisten Händler aktiv sind. "Verdächtige Profikäufer" werden dem Bundesfinanzministerium zufolge aber nicht ermittelt.

Bei Ebay gibt man sich gelassen. "Wir weisen unsere Kunden schon seit Jahren daraufhin, dass sie ihre Einnahmen unter bestimmten Umständen versteuern müssen", sagt eine Ebay-Sprecherin. Einen Anstieg amtlicher Nachfragen habe sie nicht festgestellt. "Es kommen regelmäßig Anfragen der Steuerbehörden", sagt sie. Wenn die Voraussetzungen vorlägen, sei Ebay gesetzlich dazu verpflichtet, die Kontaktdaten und die Handelsaktivitäten an die Behörden herauszugeben.

Das Bundeszentralamt für Steuern setzt die Software schon seit 2003 ein. "Wir beobachten auf diese Weise jede Form von unternehmerischer Tätigkeit im Internet", sagt ein Sprecher der Behörde. Die gesammelten Daten werden den für die Steuerermittlungen tätigen Landesbehörden zur Verfügung gestellt. Bei der Einführung habe man klarstellen wollen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei.

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