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E-Book-Reader Tolino:Thalia-Chef Busch sieht Tolino-Zukunft optimistisch

Doch was passiert mit dem Tolino, sollten die Augsburger nicht gerettet werden können? Zwei strategische Entscheidungen dürften der Kindle-Alternative zugutekommen: Die Initiatoren haben Tablets in das Tolino-Sortiment aufgenommen, um Nutzer anzusprechen, die ein Gerät wollen, das nicht nur E-Books abspielt. Fast noch wichtiger: Im Dezember ist der Verlag Axel Springer bei Tolino eingestiegen. Über die Plattform buecher.de, an der neben Springer auch Weltbild und der Holtzbrinck-Verlag beteiligt sind.

Thalia-Chef Michael Busch ist naturgemäß sowieso immer sehr optimistisch, was die Zukunft des Tolino betrifft. "In Deutschland ist es uns gelungen, in sehr kurzer Zeit eine starke und relevante Nummer zwei aufzubauen", sagt er. Trotz der Probleme des Partners Weltbild ist er deshalb auch überzeugt davon, "dass wir eine gute Reichweite erreicht haben und weiter ausbauen können".

Kleinere Buchhändler wollen mehr Mitsprache bei Tolino-Allianz

Einen weiteren Schub könnte es für Tolino geben, falls der Börsenverein des Buchhandels doch noch mit einsteigt. Auch kleinere Buchhandlungen könnten dann das System nutzen. Verhandlungen der Börsenverein-Tochter MVB werden allerdings "vorerst" nicht weitergeführt, hieß es Ende Oktober. Die Tolino-Allianz biete den Händlern zu niedrige Margen und zu wenig Mitsprache.

Diese wollen aber ein größeres Stück vom Kuchen, elektronische Bücher werden zum Riesengeschäft. 2012 betrug der Anteil von E-Büchern für den privaten Bedarf am Umsatz des deutschen Buchhandels 2,4 Prozent. Und das ist erst der Anfang: "Es zeichnet sich ab, dass sich der Umsatzanteil von E-Books 2013 im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt hat", sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

Werner Ballhaus von Pricewaterhouse Coopers sieht einen Zuwachs beim Marktanteil belletristischer E-Books von drei auf sechs Prozent. Für 2017 prognostiziert er 16 Prozent - bei einem Umsatz von 850 Millionen, 2013 seien es knapp 290 Millionen gewesen. "In der ersten Welle sehen wir einen Marktanteil im Belletristikbereich von bis zu 20 Prozent", sagt er.

Per Dalheimer geht noch weiter: "Mittelfristig werden wir einen E-Book-Anteil von etwa 30 Prozent erreichen, so wie es in den USA bereits der Fall ist". Er hatte den Paradigmenwechsel wörtlich genommen und seinen Internetversand libri.de im Herbst 2012 in ebook.de umbenannt. Damals hatte er erstmals mehr elektronische als gedruckte Bücher verkauft, heute beträgt der Umsatzanteil von E-Books bei ihm 65 Prozent. Zum Tolino will er nicht stoßen, auch wenn er sich im Wettbewerb gegen Amazon "auf derselben Seite des Flusses" sieht, wie er es ausdrückt. "Wir kooperieren seit 2009 mit Sony und sind damit sehr zufrieden."

Apropos Sony: In Nordamerika hat der Konzern sein E-Book-Geschäft an den kanadischen Spezialisten Kobo abgegeben, der Sony E-Bookstore wird nächste Woche geschlossen. Hierzulande bleibt alles, wie es ist. "In Europa wird der Reader Store weiterhin von Sony betrieben", so eine Sprecherin.