DVB-T-Abschaltung im März:Jetzt auf DVB-T2 umsteigen - oder der Fernseher bleibt schwarz

Digitales Antennen-Fernsehen DVB T2

Wer DVB-T nutzt und nicht umstellt, könnte bald vor einem schwarzen Bildschirm sitzen.

(Foto: picture alliance / Monika Skolim)
  • In vielen Regionen Deutschlands wird am Mittwoch, den 29. März, DVB-T abgeschaltet, der Standard für den digitalen Fernsehempfang per Hausantenne.
  • Nutzer können auf das neue DVB-T2 HD umstellen oder zu einer Alternative wechseln.
  • Die Privatsender verlangen von den DVB-T2-Nutzern in Zukunft eine Gebühr für den Empfang ihrer Programme.

Von Christian Simon

Wer Fernsehen auch weiterhin über seine Antenne empfangen möchte, muss sich möglicherweise umstellen. Am 29. März wird in vielen Regionen DVB-T - der Standard für den digitalen Fernsehempfang per Hausantenne - abgeschaltet. Danach nutzen viele Privatsender wie ProSieben oder RTL und die Öffentlich-Rechtlichen nur noch den neuen Sendestandard DVB-T2 für die terrestrische Übertragung.

Um weiter wie gewohnt fernzusehen, müssen betroffene Zuschauer technisch aufrüsten und zusätzliche Kosten in Kauf nehmen. Denn um Privatsender über Antenne empfangen zu können, benötigen sie in Zukunft einen speziellen Receiver oder ein Extramodul in Form einer Chipkarte. Wer schon ein Gerät hat, muss trotzdem am Mittwoch ab 12.00 Uhr einen Sendersuchlauf durchführen.

Die Umstellung findet zunächst in großen Ballungszentren statt, bis Mitte 2019 soll ganz Deutschland DVB-T2-Land sein. Die Initiative DVB-T2 HD der deutschen Fernsehsender hat eine Informationsseite eingerichtet, auf der die zuerst betroffenen Regionen vermerkt sind.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist DVB-T2?

DVB-T2 ist die zweite Generation des digitalen Antennenfernsehens DVB-T. Die Abkürzung steht für "Digital Video Broadcast - Terrestrial", also digitale Videoübertragung auf erdgebundenem Weg. Die zweite Version der Technik ermöglicht es, Sendefrequenzen besser zu nutzen. Das bedeutet, dass mehr Programme in höherer Qualität übertragen werden können, etwa in Full-HD-Auflösung mit 1920 mal 1080 Pixeln.

Warum wird der Standard umgestellt?

Die Initiative DVB-T2 HD begründet die Umstellung damit, dass die Anforderungen der Kunden gestiegen seien: Immer mehr Zuschauer wünschten sich Angebote in HD-Qualität. Und die Bundesnetzagentur will bereits in diesem Jahr mehrere DVB-T Kanäle räumen, weil sie zusätzliche Frequenzen für das mobile Internet nutzen möchte, über das immer mehr Daten übertragen werden.

Kann ich mein altes DVB-T-Gerät aktualisieren?

Nein. Zusatzgeräte, auch Set-Topbox genannt, die nur den alten Standard beherrschen, können nicht aufgerüstet werden. Die neuen Empfänger können dagegen auch nach dem bisherigen Standard empfangen - man kann sie sich also jetzt schon kaufen. Wer sich nicht sicher ist, auf welchem Weg das Programm in seinen Fernseher kommt, kann bei ARD und RTL auf der Teletextseite 199 nachsehen. Ob Ihr Gerät DVB-T2-fähig ist, kann die Seite allerdings nicht anzeigen.

Wer einen älteren DVB-T-Empfänger hat, muss sich einen neuen zulegen. Eine Liste mit passenden Fernsehern, Boxen und Antennen hat die "Deutsche TV-Plattform" angelegt, zu der sich Unternehmen, Verbände und Behörden von Samsung bis zur ARD zusammengeschlossen haben. Stiftung Warentest hat entsprechende Geräte bereits getestet.

Ärgerlich ist die Umstellung besonders für Nutzer, die sich vor 2015 einen Fernseher mit integriertem DVB-T-Empfänger gekauft haben. Sie müssen mit einem externen Gerät nachrüsten, wenn Sie weiterhin per Antenne fernsehen wollen. Nur in neueren Fernsehern ist die neue Empfangstechnik schon eingebaut. Wichtig dabei: Auf den grünen Aufkleber mit der Aufschrift "DVB-T2 HD" achten. Geräte, die diesen Aufkleber tragen, können den neuen Standard empfangen. Die Antenne selbst funktioniert dagegen in der Regel weiter, hier kann man die alte also weiter nutzen.

Was ändert sich bei den Privatsendern?

Die großen Privatsender werden nach der Umstellung zu DVB-T2 und einer dreimonatigen Übergangsphase von Juli 2017 an nicht mehr kostenlos zu empfangen sein. Lediglich der private Spartensender Bibel TV bleibt frei zugänglich. Wer ProSieben, Sat 1 oder RTL auch weiterhin über Antenne empfangen will, muss für 69 Euro im Jahr Kunde bei Freenet TV werden, einer Plattform der Privatsender. Zusätzlich benötigen Kunden dann außerdem einen speziellen Receiver oder ein Entschlüsselungsmodul. Wer diese Funktion später nachrüsten will, sollte darauf achten, dass sein DVB-T2 Gerät über einen CI-Plus-Schacht verfügt - in den können zusätzliche Module eingesetzt werden.

Welche Alternativen gibt es?

Wer von der Umstellung betroffen ist, hat verschiedene Alternativen zu DVB-T2. Kabelanschluss ist eine davon, aber oft nur in Kombination mit einem Telefon- und Internetanschluss zu haben. Dieser Wechsel kann teurer und umständlicher sein als die Umstellung auf DVB-T2. Wer Fernsehen über Satellit bezieht, ist von der Umstellung nicht betroffen. Um zum Satellitenfernsehen zu wechseln, benötigen Fernseherbesitzer aber entsprechendes Equipment. Außerdem brauchen sie für den HD-Empfang der meisten Privatsender per Satellit auch ein HD+-Abonnement, genau wie bei DVB-T2. Sonst können sie RTL & Co. via Satellit kostenlos nur noch in geringerer Qualität sehen.

Auf Plattformen wie Zattoo, Magine TV oder Telekom Entertain kann man über das Internet Fernsehprogramme empfangen. Auch diese Anbieter verlangen allerdings Geld für den Zugriff auf ihr volles Programm oder auf Bilder in hoher Qualität.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema