Dutroux-Dossier auf Wikileaks Enthüllungen sorgen für Ärger

Die jüngsten Dokumente des Aufklärer-Portals Wikileaks ziehen den Unmut der belgischen Justiz auf sich: Es handelt sich um sensible Akten aus dem Prozess eines verurteilen Kinderschänders.

Die jüngste Veröffenlichung von geheimen Dokumenten auf Wikileaks sorgt in Belgien für Ärger: Sensible Ermittlungsakten aus dem Fall des verurteilten Kinderschänders Marc Dutroux wurden auf das Enthüllungsportal hochgeladen. Der Generalstaatsanwalt von Lüttich, Cédric Visart de Bocarmé, sagte dem belgischen Rundfunksender RTBF am Mittwoch, er sei "unglücklich, weil die Dokumente aus Verhandlungsakten stammen, die immer noch der Geheimhaltung unterliegen".

Das Dossier enthält auf 1235 Seiten neben Aussagen Dutroux' auch vertrauliche Aufzeichnungen von Anhörungen von Zeugen, die sich zum Teil nichts zu Schulden kommen ließen, sagte der Jurist. Für sie bestehe jetzt die Gefahr, in der Öffentlichkeit bloßgestellt zu werden. Das Dossier enthält zum Teil auch Adressen und Telefonnummern.

Der inzwischen 53 Jahre alte Dutroux hatte in den 90er Jahren mehrere Mädchen entführt, von denen vier während ihrer Gefangenschaft in seinem Haus qualvoll starben. Er wurde im Juni 2004, etwa acht Jahre nach seinen Verbrechen, wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Wikileaks hatte im Juli heftige Kritik der US-Regierung ausgelöst, weil das Portal mehr als 76 000 Seiten geheimer Kriegsaufzeichnungen aus Afghanistan veröffentlichte.