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Drohnenabwehr:Zäune für den Luftraum

Quadcopter Drone

Begegnung der gefährlichen Art: Immer wieder sehen Piloten Drohnen in großer Höhe fliegen. Ein Zusammenstoß könnte gravierende Folgen haben.

(Foto: Sean Gallup/Getty)

Die Zahl der Drohnen nimmt zu, damit steigt auch das Sicherheitsrisiko. Ein deutsches Start-up hat nun ein System zur Abwehr der Flugkörper entwickelt.

Gefängnisse sind so ein Beispiel, sagt Sebastian Blum. Da lässt einer seine Drohne drüberfliegen, die Waffen oder Drogen abwirft mit zweifelhaften Abnehmern. Oder Paparazzi: Früher mussten sie auf einen Baum klettern, um etwa einen Schauspieler mit seiner Neuen zu fotografieren. Heute summt die Drohne am Hotelzimmer vorbei, nimmt ein ganzes Video auf, und keiner merkt es. Denk auch an Terroristen und Fußballstadien, sagt er: Eine Drohne könne problemlos ein paar Kilogramm Sprengstoff transportieren.

Regierungsgebäude, Armeen, Industriespionage, Flughäfen, Blum zählt auf, an welchen Orten und in welchen Situationen Drohnen immer häufiger zur Gefahr werden. Draußen vor dem Büro in San Francisco heulen die Sirenen, der Sound passt zum Thema. Sebastian Blum, 42, ist Leiter der Unternehmensentwicklung der Firma Dedrone, einer der Pioniere in der Entwicklung von Drohnenabwehrsystemen. 2014 in Kassel gegründet, haben die drei Unternehmer die Zentrale des Start-ups im vergangenen Jahr nach San Francisco verlegt. Der Drohnen-Markt ist in den USA deutlich größer. Die Entwicklung findet aber noch immer in Hessen statt, wo sich auch die Gründer gerade aufhalten.

"Zu Hause haben wir einen Zaun um unseren Garten, wir haben ein Schloss an unserer Wohnung", sagt Blum. "Wir haben Kontrolle über unser Eigentum, über den Raum, in dem wir uns bewegen." Durch Drohnen sei das gefährdet - egal, ob es sich um physische Angriffe, Spionage oder Schmuggel handle. Drohnen seien eine neue Bedrohung aus der Luft, Blum sagt: "Wir brauchen jetzt so etwas wie Luftraumzäune."

Drohnen werden weltweit immer beliebter, auch in Deutschland. Je mehr es von ihnen gibt, desto größer ist auch das Sicherheitsrisiko, das von ihnen ausgeht. Wie viele jetzt schon in der Luft sind, weiß niemand, weil sie nicht registriert werden müssen. Die Deutsche Flugsicherung schätzt, dass es bis Ende 2016 um die 400 000 Drohnen waren und in diesem Jahr 500 000 bis 600 000 neue dazukommen. Was aber nicht bedeutet, sagt eine Sprecherin, dass alle, die mal in der Luft waren, auch noch genutzt werden.

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Das System erkennt anfliegende Geräte aus ein bis zwei Kilometern

Trotzdem: Schon jetzt sind Drohnen in Deutschland ein Problem - sie spionieren Unternehmen aus oder geraten in die Flugbahn von Flugzeugen. Flughäfen seien besonders gefährdet, sagt Wilfried Joswig, Chef des Verbandes für Sicherheitstechnik. "Daher sind in diesen Bereichen ja auch Flugverbotszonen eingerichtet. Aber auch andere Bereiche wie Großveranstaltungen, Industriebetriebe oder Rechenzentren sind gefährdet." Bei der Deutschen Flugsicherung heißt es, dass 2015 14 Sichtungen gemeldet wurden und 2016 bereits 64. Sichtung heißt: Piloten sehen vom Cockpit aus eine Drohne, manchmal in 3000 Metern Höhe.

Dedrone war eine der ersten Firmen, die dieses Gefahrenpotenzial erkannten und ein System zur Abwehr der Flugkörper entwickelten. Die Idee dazu hatten die drei Gründer Ingo Seebach, Jörg Lamprecht und Rene Seeber, als Angela Merkel vor vier Jahren fast Opfer eines Drohnenunfalls wurde. Während eines Wahlkampfauftritts in Dresden stürzte eine Drohne neben der Bundeskanzlerin auf die Bühne, nur zwei Meter von ihr entfernt. Daraufhin beschlossen die drei, ein System zu entwickeln, um solche Unfälle zu vermeiden. Natürlich nicht nur zum Schutz der Kanzlerin.

Vogel oder Drohne?

Das Ergebnis: eine Software, die anfliegende Drohnen schon in ein bis zwei Kilometern Entfernung erkennt. Das funktioniere mit einer Mischung aus verschiedenen Sensoren, sagt Blum. Mit Mikrofonen, Kameras und Radiofrequenzsensoren, die erkennen, ob Drohnen in der Luft sind. "Die Software erkennt, ob sich ein Vogel nähert, ein Flugzeug oder eine Drohne." Weil jede Drohne eine bestimmte Signatur habe, könne die Software auch den Drohnen-Typ und den Standort des Piloten ermitteln.

Die Regeln

Das Bundesverkehrsministerium hat im April 2017 eine neue Drohnen-Verordnung erlassen. Sie regelt die Nutzung unbemannter Flugobjekte (UAV) wie Drohnen oder Multikopter nun genauer. So müssen diese ab 250 Gramm Gewicht mit dem Namen und der Adresse des Besitzers gekennzeichnet werden; ab zwei Kilogramm Gewicht braucht der Pilot einen Drohnen-Führerschein; ab fünf Kilogramm eine Aufstiegserlaubnis einer Landesluftfahrtbehörde. Drohnen, die schwerer als 25 Kilogramm sind, sind verboten. Weitere Regelungen: Die UAV dürfen maximal 100 Meter hoch und nur in Sichtweite fliegen. Ein Flugverbot herrscht in Zonen wie Einsatzorten von Polizei- und Rettungskräften, großen Menschenmengen, an Autobahnen, in Naturschutzgebieten und in der Nähe von Flughäfen. Drohnen, die Bild und Ton aufnehmen und übertragen können, sind in Wohngebieten verboten. Sophie Burfeind

Dieses Drohnen-Erkennungssystem, die Gründer haben es "Drone Tracker" genannt, kann dann in bestehende Sicherheitssysteme eingebaut werden. Weltweit, sagt Blum, gebe es schon mehr als 200 Installationen, in denen die Technik zum Einsatz komme. Damit bewacht würden Gefängnisse, Sportstadien, Prominente, im vergangenen Jahr die TV-Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump und das Weltwirtschaftsforum in Davos. In Deutschland etwa arbeitet Dedrone mit der Deutschen Telekom zusammen. Aber was passiert, wenn der Drohnen-Detektor eine Drohne entdeckt hat? "Das Erste, was jeder tun will, ist natürlich, das Ding abzuschießen", sagt Blum. Das sei jedoch in den meisten Ländern verboten. Auch das Funksignal stören dürfen in Deutschland nur bestimmte Behörden wie die Polizei. Eine Drohne mit einer Fangdrohne einzufangen, ist teuer, außerdem muss ständig ein Pilot verfügbar sein. Netze, die vom Boden aus auf die Drohne geschossen werden können, verfehlen sie oft.

Generell ist das Aufspüren von Drohnen einfacher als deren Abwehr. Außerdem, sagt Blum, müsse man ja auch erst mal prüfen, mit welcher Absicht eine Drohne überhaupt herumfliege. "Nicht jede Drohnenattacke ist gleich eine boshafte. Manche Leute dringen auch unabsichtlich in den Luftraum ein."

Das Drohnen-Erkennungssystem von Dedrone, erklärt Blum, klassifiziere die Drohne und löse einen Alarm aus. Was auf den Alarm folge, entschieden die Kunden: Manche Gefängnisse zum Beispiel forderten die Insassen auf, sofort in ihre Zellen zurückzukehren, manche Luxushotels hätten Vorhänge, die sich bei Drohnen-Alarm vor der VIP- und der Präsidentensuite automatisch schließen.

Neben dem Start-up aus San Francisco, das nun schon 70 Mitarbeiter hat, arbeiten Rüstungsfirmen und mittlerweile auch viele andere Unternehmen an Systemen, um Drohnen abzuwehren.

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