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Donald Trump:Tech-Mitarbeiter politisieren sich - mit Risiken- und Nebenwirkungen

Doch natürlich lebt die Technologie-Branche von mehr als reinen Kosten-Nutzen-Rechnungen - und das nicht nur, weil Kunden zunehmend politische Glaubwürdigkeit einzufordern scheinen. Der zur Schau getragene Idealismus mag angesichts offensichtlicher Profitinteressen einstudiert wirken, doch in der Tat ist die Erzählung auch intern überlebenswichtig: Die Treue der Mitarbeiter zu ihrer Firma bedeutete im Silicon Valley schon immer die Treue zu ihrer idealisierten Version.

Lange Zeit galten Tech-Mitarbeiter als liberale Individualisten: Sie streben nach Weltveränderung, aber nur in Form technologischer Lösungen oder cleverer Hacks. Aus der Politik halten sie sich oft heraus. Viele werten ihren persönlichen Erfolg als Beweis für eine funktionierende Chancengleichheit, deshalb proklamieren sie das Leistungsprinzip. Ein relevanter Teil der Branche hat daraus marktradikale Positionen abgeleitet, wie sie Trump-Unterstützer Thiel verkörpert.

In den vergangenen Jahren wurde das Selbstverständnis der kalifornischen Zukunftswerkstatt jedoch häufiger auf die Probe gestellt: Es häuften sich Probleme mit Sexismus und fehlender Minderheitenförderung, die Branche begann, gesellschaftliche Folgen von Digitalisierung und Automatisierung wahrzunehmen und problematische Geschäftspraktiken, wie sie eine Firma wie Uber verkörpert, zu hinterfragen. Köpfe wie der angesehene Gründer Anil Dash mögen zwar nicht die Prominenz finanzstarker Investoren wie Marc Andreessen erreichen, innerhalb der Szene werden ihre Appelle, endlich gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, aber durchaus vernommen.

"Tech Solidarity" sammelt Spenden - und will eine Gewerkschaft gründen

Vielleicht liegt es neben dem klaren Feindbild Trump auch an solchen Debatten, dass einige Mitarbeiter sich nun deutlicher positionieren und dies auch von ihren Arbeitgebern einfordern: Nach dem Einreisebann verließen Ende Januar etwa 2000 Google-Angestellte die Firmenzentrale, um gegen Trump zu protestieren.

Für den 14. März planen Tech-Angestellte eine Demonstration in Palo Alto. Eine Amnesty-Demonstration vor Thiels Datenanalyse-Firma Palantir fand aus der Branche durchaus Zulauf, heißt es. Bei IBM, deren Chefin Ginni Rometty Trump berät, unterzeichneten tausend Mitarbeiter einen kritischen Brief, in dem sie fordern, "Projekte, die der Freiheit schaden, abzulehnen".

Die nach der Wahl gegründete Gruppe "Tech Solidarity" sammelt unterdessen Spenden und Unterstützer. Brisant ist dabei, dass die Initiative nebenbei auch die gewerkschaftliche Organisation von IT-Mitarbeitern vorantreibt. Einen solchen Zusammenschluss der Arbeitnehmer wollen vom Start-up bis zum Großkonzern alle Firmen traditionell verhindern. Für das Silicon Valley könnte das politische Erwachen seiner Bewohner einige Überraschungen parat halten.

© SZ.de/sih/mane
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