Doku-Reihe "Homo Digitalis" Analysiert von künstlicher Intelligenz, gepflegt vom Roboter

Künstliche Intelligenz Bereits jetzt kann lernende Software Röntgenbilder analysieren (wenn auch noch nicht perfekt). Künftig werden Algorithmen zur Unterstützung bei der Diagnose und die Auswertung von Medizindaten selbstverständlich sein. Im Zeitalter des selbstoptimierten vernetzten Menschen soll künstliche Intelligenz auch irgendwann in Echtzeit Werte wie Herzfrequenz, Blutwerte oder Atem analysieren, um Krankheiten schneller zu erkennen (oder dezente Tipps für einen gesünderen Lebenswandel zu geben). Darauf bauen zumindest die Firmen, die solche Analyse-Systeme entwickeln wollen.

Mensch-Maschine-Schnittstelle Der Traum vom Cyborg lebt, doch wie realistisch ist er? Obwohl Hirnprothesen bereits heute mehr als 100 000 Patienten helfen, die Symptome von Parkinson oder Depressionen zu lindern, liegt die Vernetzung von Mensch und Maschine noch in weiter Zukunft.

Die Herausforderung ist gewaltig: Eine Schnittstelle zwischen Gehirn beziehungsweise Rückenmark und Computer müsste nicht nur Hirnaktivität zuverlässig in Digitalbefehle übersetzen, sie müsste auch klein, tragbar und infektionssicher sein. Am ehesten sind dort Fortschritte zu erwarten, wo ein Implantat bestimmte Signale einfach unterdrücken muss, zum Beispiel in der Schmerztherapie. Mit der Vorstellung vom Cyborg hat das aber nicht viel zu tun.

Nanomedikamente Einige Medikamente der Zukunft arbeiten mit Partikeln in der Größe von einem bis 100 Nanometer (zum Vergleich: ein Menschenhaar hat einen Durchmesser von 10 000 bis 50 000 Nanometern). Diese winzigen Körner können über Oberflächen, die an die Rezeptoren angepasst sind, Wirkstoffe direkter als bislang in Zellen einschleusen und die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Das Resultat: Neue Anwendungen, eine bessere Wirkung und weniger Nebenwirkungen. So die Theorie. In der Praxis gibt es gerade in der Tumor-Behandlung erste Versuche mit Nano-Transportsystemen, aber sowohl Nebenwirkungen als auch ideale Stoff-Wirkstoff-Kombinationen müssen noch erforscht werden. Bis zur Massentauglichkeit wird es dauern.

Open Medicine Der Begriff wird in zwei Zusammenhängen verwendet: Einmal "offene Medizin" im Sinne eines freien öffentlichen Zugangs zu staatlich geförderten Untersuchungen und Studien inklusive Datensätzen. Die zweite Bedeutung beschreibt eine kollaborative, dezentrale Arbeit an pharmazeutischen Entwicklungen, um "Medikamente für alle" ohne die Pharmabranche zu entwickeln - zum Beispiel jüngst das Design für einen Insulin-Pen zum Selberbauen.

Diese Bewegung der "offenen Medizin" nimmt gerade in den USA einen ähnlichen Weg wie die "Do-It-Yourself"-Biotechnologie, die das Labor der Zukunft in der eigenen Garage sieht. Die Risiken sind in einem Feld wie der Medizin riesig, die Chancen auf eine "Revolution" gering: Medizin ist keine Software, teuer zu entwickeln und stark reguliert.

IT-Sicherheit Wie smarte Dildos Datenschutz sexy machen könnten
Doku-Reihe "Homo Digitalis"

Wie smarte Dildos Datenschutz sexy machen könnten

Moderne Sexspielzeuge übertragen Daten oft unverschlüsselt ins Netz - ein Traum für Hacker, ein Alptraum für Nutzer. Doch darin liegt auch eine Chance.   Von Caspar von Au

Pflegeroboter Das techikaffine Japan gilt als Vorzeige-Nation der "Assistenzrobotik". In der Altenpflege testet man dort bereits seit Jahren Roboter in der Demenz-Therapie, zur Unterstützung von Pflegern oder als Helfer für gelähmte Menschen.

Das Feld entwickelt sich stetig, doch Roboter sind noch nicht filigran genug, um komplexe, spontane oder feingliedrige Aufgaben zu übernehmen. Eine Pflege-Revolution steht also noch nicht unmittelbar an (und hat auch ethische Fallstricke). Betroffene mit Bewegungseinschränkungen können allerdings schon von der Automatisierung kleiner Aufgaben wie dem Einschenken eines Glases Wasser profitieren.

Regulierung Wenn Berater über künftige Medizintechnologien sprechen, klingt das oft nach "Freigabe erfolgt übermorgen". In Wahrheit sind Medizinprodukte stark reguliert, viele Hype-Themen von heute in Wahrheit noch im Stadium der Grundlagenforschung und mehr als ein Jahrzehnt von größerem Einsatz entfernt.

Allerdings erkennen auch die Zulassungsbehörden die Chancen, die in den neuen Technologien stecken - die US-Gesundheitsbehörde Federal Drug Adminstration (FDA) hat vor einigen Monaten eine eigene Abteilung für Digital Health gegründet, die Tests und Zulassungen beschleunigen soll.

Tricorder Bordärzte auf dem Deck der Star-Trek-Raumschiffe nutzten ein kleines Messgerät, das in Bruchteilen von Sekunden Krankheiten diagnostizieren kann. Zwar spielt die Serie im 23. Jahrhundert, doch bereits seit Jahrzehnten versuchen Bastler, Firmen und die Nasa, die Tricorder-Idee umzusetzen.

Der Chiphersteller Qualcomm unterstützt zwei Firmen, die einen Prototypen vorgelegt haben, der zwölf Krankheiten (von Anämie über Lungenentzündung bis Diabetes) und fünf Vitalwerte (von Blutdruck bis Sauerstoffsättigung) direkt messen kann. Ob das Gerät allerdings jemals massentauglich wird, ist trotz der Science-Fiction-Begeisterung unter Wissenschaftlern noch nicht gesagt.

Umgebungsintelligenz Von der Industrie bis zu den eigenen vier Wänden wird derzeit alles mit vernetzten Sensoren ausgestattet. Das Internet der Dinge wird in diesem Zuge auch Notfall-Systeme und Prävention verändern. Bereits jetzt statten Autohersteller ihre Fahrzeuge mit Systemen aus, die erkennen können, wie schläfrig der Fahrer gerade ist.

Senioren sollen künftig in Zimmern leben, die ebenfalls Alarm schlagen können, wenn sich die Person plötzlich anders verhält (zum Beispiel: eine Person liegt Stunden nach der normalen Aufwach-Zeit noch im Bett). Und selbst Tabletten könnten über ausscheidbare Sensoren Messergebnisse zu ihrer Wirkung aus der Darmflora senden. Die größten Probleme dabei: Preis und Zuverlässigkeit (Senioren-Sensoren) sowie Miniaturisierung (verdaubare Sensoren).

Wearables Vernetzte tragbare Elektronik - wie etwa Smartwatches und Fitness-Bänder - verkauft sich, wenn auch in überschaubarem Rahmen. Die Entwicklung wird nicht stehen bleiben: Textilien mit Sensoren, derzeit vor allem von Sportlern genutzt, sollen künftig immer stärker über die Haut Vital-Daten oder Umwelt-Informationen sammeln. Sie könnten dann zum Beispiel den Insulin-Spiegel messen oder den korrekten Lichtschutzfaktor vorschlagen.

Patient Z Von Marktforschern manchmal abgeleitet von "Generation Z" verwendet, also den zwischen 1995 und 2010 Geborenen. Mit digitaler Technologie aufgewachsen muss "Patient Z" nicht davon überzeugt werden, für Gesundheits-Prophylaxe Smartphones oder andere vernetzte Tracking-Geräte zu verwenden.

Im Gegenteil: Die Ansprüche bei Themen wie digitaler Portabilität von Krankenakten oder der Bewertung von Ärzten sind höher als die der Vorgänger-Generationen. Das ist zumindest die Theorie der Marktforscher.

Digitale Gesellschaft Sind Smartphones vielleicht doch ein Problem?

Doku-Reihe "Homo Digitalis"

Sind Smartphones vielleicht doch ein Problem?

Zeitungen, Fernseher, Computerspiele - seit jeher warnen alte Menschen vor neuen Technologien. Und doch könnte die Furcht vor Smartphones mehr sein als reiner Kulturpessimismus.   Von Simon Hurtz