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"Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske":Schöner Meucheln, auch für Grobmotoriker

Neuer Look, gleiches Spielprinzip: Der zweite Teil des erfolgreichen Videospiels "Dishonored" ist nicht besonders abwechslungsreich. Dafür sieht es hübsch aus.

Von Caspar von Au

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Worum geht es in "Dishonored 2"?

Screenshot Dishonored 2

Quelle: Bethesda/PR

Angespielt, nicht durchgespielt: Unsere Games-Kurzkritik "Screenshot" beantwortet Fragen zu den neuesten Computer- und Videospielen auf allen gängigen Plattformen. Und gibt einen ersten Eindruck, worauf Sie sich bei einem neuen Spiel freuen können - und wann Sie lieber noch skeptisch sein sollten.

Das Reich der Inseln versinkt im Chaos: Ein hinterhältiger Thronräuber hat Kaiserin Emily Kaldwin gestürzt und den Thron an sich gerissen. Der Spieler schlüpft in "Dishonored 2", einem Stealth-Actionspiel, entweder in die Rolle von Emily oder in die ihres Vaters, Corvo Attano, dem Helden des ersten Dishonored-Spiels. Vater und Tochter sind beide ausgebildete Assassinen, die ihre Gegner von hinten lautlos erwürgen oder einen Armbrustbolzen durch den Kopf jagen können. Dazu beherrschen sie ein paar dunkle Zaubersprüche.

Auf dem Weg trifft der Spieler nicht nur auf menschliche Gegner, sondern muss auch tödliche Lichtschranken und Robotersoldaten mit vogelähnlichen Köpfen überwinden. Die Entwickler der französischen Arkane Studios bezeichnen das Setting des Spiels als "neo-viktorianische Fantasiewelt". Tatsächlich erinnern viele der Maschinen im Spiel an die Technikfantasien von Jules Verne und H. G. Wells, Steampunk lässt grüßen.

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Was sieht vielversprechend aus?

Screenshot Dishonored 2

Quelle: Bethesda/PR

"Dishonored 2" ist ein Spiel für Heimlichtuer, was oft Millimeterarbeit auf dem Bildschirm erfordert: Sich ducken, im Schutz der Häuserwand anschleichen, den Wachmann bis zur Bewusstlosigkeit würgen - nicht töten. Anschließend den leblosen Körper irgendwo verstecken, damit ihn seine Kollegen nicht finden - so lautet das Grundrezept für eine erfolgreiche Runde Dishonored. Videospiel-Grobmotoriker werden trotzdem ihren Spaß haben. Man kann es nämlich auch auf die laute Weise probieren: Pistole, Schwert und Granaten zücken und alles umnieten, was sich zur Wehr setzt. Das erhöht den sogenannten Chaosfaktor und damit den Schwierigkeitsgrad, kann aber auch zum Erfolg führen.

Wer den ersten Teil gespielt hat, wird sich in "Dishonored 2" sofort zurechtfinden. Spielweise, Steuerung und Fähigkeiten von Corvo Attano sind sehr ähnlich geblieben. Warum ein Konzept ändern, das 2012 sehr gut funktioniert hat? Gut, dass Emily trotzdem keine Kopie von Corvo ist, sondern eigene Fähigkeiten erlernen kann und anders gespielt werden muss.

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Warum sollte man trotzdem kritisch sein?

Screenshot Dishonored 2

Quelle: Bethesda/PR

Leider ist "Dishonored 2" kein Open-World-Spiel; dabei möchte man manchmal nur zu gerne abschweifen und das Kaiserreich weiter erkunden als nur bis in die Seitengasse der Hauptstraße. Das Spielprinzip wiederholt sich nämlich bald: In jedem Kapitel muss der Spieler von A nach B kommen, das größtes Hindernis sind: ein Haufen Wachen. Auf dem Weg kann er zwar immer wieder von der Hauptroute abweichen, durch fremde Wohnungen klettern und dort Hinweise auf andere Lösungswege oder Sidequests finden. Doch spätestens nach 50 Metern ist Schluss und auch die Rätsel - zum Beispiel die Zahlenkombination für einen Safe herausfinden - haben ähnliche Lösungswege. Einen anderen Modus als die Kampagne gibt es nicht.

Das Spiel ist zu Recht nicht für Jugendliche freigegeben: Zwar lässt sich "Dishonored 2" problemlos durchspielen, ohne eine Person umbringen zu müssen. Wählt man aber die konfrontierende Spielweise, fliegen auch mal abgetrennte Köpfe über den Bildschirm.

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Woran erinnert "Dishonored 2"?

Screenshot Dishonored 2

Quelle: Bethesda/PR

Während der erste Dishonored-Teil noch auf der Unreal-Engine basiert, hat "Dishonored 2" seine eigene Engine bekommen. Deshalb ähneln sich beide Spiele ästhetisch, es gibt jedoch gravierende Unterschiede: Wasseroberfläche, Fassaden, Menschen sehen nicht unbedingt realistischer aus, sondern wie gemalt. So wirken die menschlichen Bösewichte wie Karikaturen ihrer selbst: Viel zu große Hände und kräftige Arme ragen aus gedrungenen Schultern, das Gesicht prägen eine Hakennase und Segelohren. Die fast comicartige Anmutung des Spiels wirkt jedoch nicht aufgesetzt, sondern fügt sich gut in Handlung und Dialoge ein.

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Was passiert, wenn man das Spiel zum ersten Mal startet?

Screenshot Dishonored 2

Quelle: Bethesda/PR

15 Jahre ist es her, dass Corvo Attano für seine Tochter die Rattenplage im Kaiserreich besiegt und ihr als rechtmäßige Erbin den Thron der ermordeten Jessamine Kaldwin wiederbeschafft hat. 15 Jahre sitzt Emily Kaldwin nun auf dem Thron. Aber so richtig zur Ruhe gekommen ist das Inselreich nicht. Der selbsternannte Kronenmeuchler mordet scheinbar im Auftrag der Kaiserin, Emily ist ratlos: "Ich weiß nicht, ob ich ein Schiff zum anderen Ende der Welt nehmen oder alle um mich herum hinrichten soll", sagt Noch-Kaiserin Emily zu ihrem Vater vor der Zeremonie. Spoileralarm: Entscheidet man sich später dafür, das Kaiserreich aus Emilys Perspektive zurückzuerobern, ist wohl eher letzteres der Fall.

Die Zeremonie findet ein abruptes Ende, als der Herzog von Serkonos aus dem Süden des Kaiserreichs Emily entmachtet. Mit im Gepäck: Jessamines böse Halb-Schwester, Delilah Kaldwin, die ihrerseits behauptet, die rechtmäßige Erbin zu sein. An dieser Stelle muss sich der Spieler entscheiden: Emily oder Corvo? Delilah verwandelt den jeweils nicht gewählten Charakter augenblicklich in Stein. Egal ob Corvo oder Emily, von diesem Zeitpunkt an hat der Spieler (fast) das gesamte Kaiserreich gegen sich und muss es im Alleingang zurückgewinnen.

© SZ.de/jab/mri

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