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Digitales im Kinderzimmer:Was Eltern bei vernetztem Spielzeug beachten sollten

Junges Mädchen am Tablet

Der Zugang zu Internet und Computern muss für Kinder nicht verboten sein.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Internetfähige Puppen und Rennautos bedeuten auch: Es werden Daten gesammelt.

Mal polemisch gefragt: Was ist besser - wenn sich Kinder stundenlang mit einer elektronischen Barbie beschäftigen, oder wenn sich die Eltern stundenlang mit ihrem Nachwuchs beschäftigen? Klarer Fall, oder? Wer seine Kinder nicht mit der Glotze ruhigstellt, wird ihnen auch keinen elektronischen Glitzerkram in die Hand drücken, der sie bloß mit Vorgefertigtem abspeist. Also Stecker raus, zurück zur Holzeisenbahn? Waldspaziergang statt Surfen im Netz?

Ja und nein. Ja, weil es gerade kleineren Kindern guttut, wenn sie sich in der analogen Welt den Beziehungsrahmen schaffen können, in den dann auch das Neue, Virtuelle eingeordnet werden kann. Nein, weil es sektiererisch wäre, Kinder zwanghaft von allem fernzuhalten, was nach Computer oder Internet aussieht.

Große Aufregung um künstliche Haustiere

In den 1990ern gab es einmal eine Riesenaufregung um ein Spielzeug namens Tamagotchi. Eiförmig, mit grobpixeligem LCD-Bildschirm, auf dem ein Haustier, ein Vogel etwa, sein Dasein fristete. Der wollte gehegt und gepflegt werden - wenn nicht, dann hauchte das Pixel-Wesen sein Leben aus. Heerscharen von Experten befürchteten das Schlimmste. Doch sie vergaßen zwei Dinge: War das künstliche Haustier mangels Fürsorge krepiert, drückte man einfach den Reset-Knopf. Und welches halbwegs intelligente und in einer stabilen Umgebung aufgewachsene Kind würde nicht unterscheiden können zwischen einem batteriebetriebenen Bildschirmwesen und einem aus Fleisch und Blut? Nach ein paar Jahren starb das Tamagotchi übrigens von selber aus.

Doch das Tamagotchi ist nichts im Vergleich zu internetfähigem Spielzeug von heute. "Hello Barbie", eine 75 Dollar teure vernetzte Puppe mit Mikrofon und Internet-Anbindung, tritt auf Knopfdruck in Dialog mit (zur Zeit nur amerikanischen) Kindern, um die 8000 Antworten hat sich der Hersteller einfallen lassen. Das mag man gut finden oder nicht, das eigentliche Problem liegt woanders. Denn, wie ein Sicherheitsforscher herausfand: Das schlanke Püppchen lässt sich als Wanze im Kinderzimmer missbrauchen.

Wo Daten übertragen werden, können auch Daten gestohlen werden

Und es ist kein Einzelfall. Computer-Chips werden immer kleiner, dabei leistungsfähiger und billiger, Spielzeug mit Internet-Anbindung lässt sich zu geringen Kosten produzieren. Doch Online heißt auch: Es werden Daten übertragen, gespeichert, ausgewertet. Was da so alles passieren kann, das hat die kürzlich bekannt gewordene Datenpanne des Hongkonger Herstellers Vtech gezeigt. Hacker stahlen von den Servern des Unternehmens Millionen Datensätze von Eltern und Kindern, darunter Name und Anschrift.

Besonders bedenklich: Die Daten waren dort nur schlecht gesichert. Weil Vernetzung gerade in Mode ist, machen sich auch Hersteller daran, bei denen dies nicht zur Grundkompetenz zählt. Dass durch die zunehmende Vernetzung immer mehr Daten produziert werden, die auf allen möglichen Servern liegen, ist eine Bedrohung, daran verdienende Firmen reden sie gerne klein. Man tut daher gut daran, ihren Beteuerungen nicht allzu sehr zu vertrauen. Und ganz besonders müssen Kinder geschützt werden. Indem Eltern nicht jeden modernen Hype mitmachen. Nicht jeder Feuerwehr-Lkw, jede Puppe muss ins Internet.

Wer etwas Sinnvolles und Zukunftsträchtiges tun will, kann sich auch mit den Kindern hinsetzen und mit einem 30-Euro-Bastelcomputer wie dem Raspberry Pi selber digitale Welten kreieren. Da lernen auch Mama und Papa vielleicht noch was. Und das Kind sowieso.

© SZ vom 05.12.2015/sawe

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