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Digitaler Polizeifunk:"Beamter bittet um Verstärkung"

Nach langem hin und her scheint es, als würde der digitale Funkverkehr für Polizei und Rettungskräfte endlich in die Tat umgesetzt. Bis 2011 sollen 500.000 Beamte das moderne Netz nutzen können.

Das neue deutsche Digitalfunknetz für Polizei und Rettungskräfte soll mit 500.000 Nutzern das größte digitale Funknetz der Welt werden, fünfmal so groß wie das der Briten, die mit ihren 100.000 Nutzern bisher weltweit Vorreiter sind.

(Foto: Foto: dpa)

Und gar nicht zu vergleichen mit den Funkverhältnissen in den USA, wo jeder District-Sheriff und jede Stadtfeuerwehr eine eigene Funkfrequenz nutzt - mit den Folgen, die man beim Einsturz des World Trade Centers 2001 sehen konnte, als Polizei und Feuerwehr in New York sich nicht verständigen konnten und Dutzende Feuerwehrleute deshalb in den Tod rannten.

Seit fast drei Jahren mühen sich Bund und Länder, das ehrgeizige Funkprojekt anzuschieben - doch sie scheiterten bisher an den Kosten, an der Vergabe und an den unterschiedlichen Vorstellungen von Bund und Ländern. Um mindestens ein Jahr hat sich die Einführung des Digitalfunks bereits verzögert. Nun soll das Milliardenprojekt an den Start gehen.

An diesem Freitag werden die Innenminister von Bund und Ländern in Berlin das Verwaltungsabkommen unterzeichnen, das den Aufbau des bundesweiten Funknetzes sichern soll. Am 20. Juni soll erstmals in Hamburg, Berlin und Stuttgart gesendet werden. Dann folgen in raschem Abstand München und Teile von Niedersachsen. Spätestens im Jahr 2011 soll in allen Bundesländern flächendeckend digital gefunkt werden.

Jahrelanger Parallelbetrieb

Es ist eines der größten Investitionsprojekte der Bundesrepublik - knapp fünf Milliarden Euro sollen der Aufbau und der Betrieb des Funknetzes über die nächsten 15 Jahre kosten. Eine Investition, auf die im Ernstfall jeder angewiesen ist: Denn wer in den Bergen oder auf der Autobahn verunglückt, will, dass Polizei und Rettungskräfte miteinander kommunizieren können und nicht vor lauter Rauschen im Funkgerät gar nicht mitkriegen, wer wo gerettet werden soll.

Rolf Krost, der kommissarische Leiter der Bundesanstalt für Digitalfunk, hält in Berlin schon mal eines der neuen Funkgeräte in den Händen. Es sieht einem alten Mobiltelefon ähnlich, damals, als die Handys noch nicht in zierliche Hemdentaschen passten. "Das Gerät ist relativ groß und so robust, dass Sie es auch auf den Boden werfen können, ohne dass es kaputtgeht. Und Sie können es auch noch mit dicken Schutzhandschuhen bedienen", sagt Krost.

Die Einführung des Digitalfunks wird aber nicht auf einen Schlag umgesetzt werden. Die Länder-Polizeien stellen sich auf einen jahrelangen Parallelbetrieb zweier Funksysteme ein. In Brandenburg ist in den neuen Dienstfahrzeugen der Polizei bereits der Schacht für ein zweites Funkgerät eingebaut - je nachdem, ob gerade analog oder digital gefunkt wird. Probleme wird es vor allem bei Großveranstaltungen geben.

Milliardenauftrag an EADS

Denn wenn bei Castor-Transporten in Gorleben die örtliche Polizei digital funkt, die Unterstützungskräfte aus der Pfalz aber noch analog, dann könnte es zum großen Missverständnis kommen. Schon wird überlegt, ob man dann Leihgeräte ausgibt. Immerhin, wenigstens dieses Sicherheitsproblem wird es beim G-8-Treffen in Heiligendamm nicht geben - da wird noch durchgängig nach alter Technik gefunkt. Sicher ist sicher.

Dem Bund war es wichtig, dass der Digitalfunk nicht nur in den Großstädten, sondern überall funktioniert: "Im Bayerischen Wald und auf der Zugspitze und vor der Insel Sylt", wie Innenstaatssekretär August Hanning betont. Nach den langen Verzögerungen hat der Bund im vergangenen Herbst die Organisation selbst in die Hand genommen. Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Sicherheitsbehörden trägt die Generalverantwortung, für den Betrieb leitet sie eine Ausschreibung ein. Den Aufbau übernimmt der EADS-Konzern.

Dass die neue Technik echte Vorteile bringt, erlebten einige Polizeichefs bei der Fußballweltmeisterschaft und gerieten richtig ins Schwärmen. "Plötzlich verstanden die auch im Stadion, was der Kollege am anderen Ende sagte", berichtet Krost. "Eine neue Erfahrung."