Digitale Redefreiheit in Ägypten:Elekroschocks, Eisenstangen, Psychoterror

Detailliert belegt er, wie das Militär im Verlauf der Revolution zwar mehrfach die Taktik und Rhetorik geändert, aber hinter den Kulissen stets mit eiserner Hand durchgegriffen habe: In Kollaboration mit Staatssicherheit und kriminellen Banden seien Tausende Demonstranten verschleppt, gefoltert und vergewaltigt worden. Elektroschocks, Eisenstangen, Psychoterror.

Auch Maikel Nabil Sanad war selbst im Februar schon vorübergehend festgenommen, zusammengeschlagen und mit Folter und Missbrauch bedroht worden. Er beendete seinen Blog-Eintrag mit dem Satz: "Ich schreibe all das nicht, um mich zu rächen, sondern um die Leute wissen zu lassen, was ihnen blüht, sollte die Revolution scheitern."

Sanads Schicksal bestätigt das Ergebnis einer Untersuchung des Berkman Center for Internet and Society an der Harvard-Universität, das kürzlich 98 Blogger im arabischen Raum befragt hat. "Es ist sehr viel gefährlicher geworden, digital zu kommunizieren", heißt es in der Studie. "Die Regierungen haben auf den digitalen Aktivismus, der wesentlich zum arabischen Frühling beigetragen hat, mit großer Härte reagiert." In Syrien gibt es eine eigene "elektronische Armee", die Webseiten abschaltet oder deren Betreiber online kompromittiert. Saudi-Arabien hat seine Zensurgesetze im Januar auf das Internet ausgeweitet.

Maikel Nabil Sanad bloggt bereits seit 2005

Die tunesische Übergangsregierung soll versucht haben, die Mailkonten von Menschenrechtsaktivisten zu hacken. Nahezu die Hälfte der Blogger versieht laut der Studie ihre Einträge gefährlicherweise mit Klarnamen und/oder eigenem Foto. Fast ein Zehntel der Befragten wurde aufgrund ihrer Onlineaktivitäten verhaftet oder vorübergehend festgenommen. Die Hälfte sah sich einmal oder mehrfach massiven Drohungen ausgesetzt.

Maikel Nabil Sanad bloggt bereits seit 2005. Das heißt, er konnte mehrere Jahre lang unter Mubarak kritische Dinge im Netz äußern. Die Militärregierung, die ja angeblich den Weg freimachen möchte für demokratische Wahlen, hat ihn wenige Wochen nach ihrer Machtübernahme zu drei Jahren Haft verurteilt, die durch zahlreiche Schikanen verschärft wurde.

Sein Fall soll anderen Bloggern zur Warnung dienen. Im Juni hat er gegen das Urteil Berufung eingelegt, ohne Ergebnis. Daraufhin war er in Hungerstreik getreten. Am Samstag forderte die in Paris ansässige Vereinigung "Reporters Without Borders" Sanads sofortige Freilassung. Er schwebe mittlerweile in Lebensgefahr, und wenn er sterbe, trage "das Militär dafür die volle Verantwortung". Unterdessen streuen die digitalen Schergen des ägyptischen Militärrats unermüdlich im Netz das Gerücht, Sanad sei ein zionistischer Agent.

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