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Russische Hacker:Merkel soll Putin gewarnt haben, gestohlene Daten aus dem Bundestag einzusetzen

Das Entschlüsseln militärischer Codes gilt bis heute bei Geheimdiensten als das erste goldene Zeitalter der Überwachung. Inzwischen ist die zweite Ära angebrochen. Kaum ein Geheimnis, ein privates Detail, eine Entdeckung, die Menschen nicht elektronisch versenden oder abspeichern. Handys und Computer sind, jedenfalls aus Sicht der Geheimdienste, großartige Quellen. Sie wollen kein Geld, keinen Zuspruch, sie kennen weder Zweifel noch Skrupel. Die Wanze hörte auf zu senden, wenn die Batterie erschöpft war. Heute hängt der Ausgespähte das Gerät selbst an die Steckdose. Die Datenmenge, die sich stehlen lässt, ist enorm, das Risiko aber vergleichsweise gering. Der Spion bricht keine Türen und Panzerschränke auf. Er sitzt an einer Tastatur.

Natürlich existieren raffinierte Firewalls, Viren-Erkennung, hoch entwickelte Abwehrprogramme. Aber in der digitalen Welt gilt ziemlich oft eine alte Faustregel der Militärs: Den Wettlauf zwischen Geschoss und Panzerung gewinnt immer das Geschoss. Die drei goldenen Regeln der Computersicherheit beschrieb einer der führenden Köpfe der NSA einmal so: Schaff dir keinen Computer an. Schalte ihn nicht ein. Nutze ihn nicht.

Die Sowjetunion war technologisch in den meisten Bereichen hoffnungslos unterlegen, in der Spionage aber stets Weltspitze. Russland folgt der Tradition. Wie also funktioniert ihre Cyberspionage? Fragt man im Westen, dann entsteht das Bild von agilen Hackern, die entweder direkt bei den russischen Geheimdiensten sitzen oder aber eng mit ihnen verbunden sind. Viele scheinen es aus Patriotismus zu tun oder für Geld.

Psychologischer Druck auf Hacker

Andere, so berichtete es einmal der inzwischen verstorbene Computerspezialist Kris Kaspersky der SZ, würden gezwungen: "Einen Kumpel von mir haben sie in ein dunkles Loch eingesperrt, er konnte weder stehen noch sitzen, kein Essen, kein Wasser. Irgendwann hat er der Heimat Ja gesagt." So schildert es per Chat mit der SZ auch Dmitry Artimovich. 2013 habe ihn ein Zellengenosse angesprochen, ob er denn nicht für den Staat arbeiten wolle. Andernfalls könne es ein hartes Urteil gegen ihn geben. Artimovich lehnte ab. "Natürlich wurde daraufhin weiter psychologischer Druck ausgeübt."

Die Gruppen - der "schicke Bär" ("Fancy Bear") und der "gemütliche Bär" ("Cozy Bear") - sind nun oft in den Schlagzeilen. In der vergangenen Woche war es die "Schlange" ("Snake"), die es über die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung in Brühl bis zu den Rechnern in der für Russland zuständigen Abteilung des Auswärtigen Amtes geschafft haben soll. Das deutsche Regierungsnetz wurde kompromittiert. Die Hacker-Einheiten werden unterschiedlichen russischen Geheimdiensten zugeordnet. Snake gilt als die raffinierteste Truppe. "Ich habe mich gefühlt wie ein kleines Kind, das den großen Jungs beim Skateboarden zuschaut und erkennt, was die für Tricks draufhaben, was überhaupt möglich ist," sagt einer, der eine frühe Version der Software bereits 2007 analysierte.

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