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Digital-Konferenz DLD:Es geht um Jobs, Privatsphäre, Sicherheit

In der digitalen Welt kommen nun die Angriffe auf die Freiheit von mehreren Seiten, und es passt zu der neuen Skepsis, dass ausgerechnet der Vorstand eines Technologie-Konzerns, Telekom-Chef Timotheus Höttges, in München die Risiken auf den Punkt brachte: Es gehe um Jobs, Privatsphäre und Sicherheit, sagte er.

Dass die Digitalisierung, insbesondere auch künstliche Intelligenz, Jobs bedroht, steht außer Frage, auch wenn an anderer Stelle neue Arbeitsplätze mit anderen Anforderungen geschaffen werden, die schon jetzt oft gar nicht besetzt werden können. Alles, was sich automatisieren lässt, wird irgendwann automatisiert. Menschen werden dann vor allem für das Programmieren und die Steuerung von Maschinen gebraucht und für Tätigkeiten, die für Roboter (noch) zu kompliziert sind. Und wenn Carl Benedikt Frey, Autor der viel zitierten Oxford-Studie über die Vernichtung von Jobs durch Digitalisierung, sagt, dass zum Beispiel Putzfrau ein Beruf mit Zukunft sei (zu komplexe Aufgabe), beruhigt das wohl kaum.

Wie viel Privatsphäre ist wünschenswert?

Eine gute Arbeit zu haben und für seine Familie sorgen zu können, ist aber in der heutigen Gesellschaft eine Grundbedingung für Freiheit, das sei "zentral für ein gutes Leben", sagte Reinhard Kardinal Marx beim DLD. Ein Grundeinkommen, über das derzeit viel debattiert wird, könnte dafür kein Ersatz, allenfalls ein Pflaster zur groben Wundversorgung sein.

Der Verlust an Privatsphäre ist die zweite große Bedrohung der Freiheit. Allerdings gehen die Meinungen darüber weit auseinander, welche Eingriffe noch zulässig oder sogar wünschenswert sind. Vor allem diejenigen, die sich von der Digitalisierung erhoffen, dass sie die Menschen gesünder, das Leben sicherer und die Welt sauberer macht, finden es angemessen, Menschen mithilfe von Technologie zu überwachen, zu kontrollieren und zu steuern. "Wir müssen stärkere Einschränkungen der individuellen Freiheit akzeptieren", sagt Oxford-Professor Ian Goldin.

Julian Savulescu, Neuro-Ethiker und ebenfalls Professor in Oxford, hält sogar Eingriffe in die Genstrukturen für wünschenswert, um die moralischen Defizite von Menschen auszugleichen, Empathie zu steigern und Gewaltbereitschaft zu senken. Dagegen warnt die ehemalige EU-Kommissarin Viviane Reding davor, die Privatsphäre als europäische Modeerscheinung zu betrachten: Sie sei ein Menschenrecht.

Tatsächlich muss man in der digitalen Welt noch viel stärker darauf pochen, dass diese Grundrechte für alle gelten und respektiert werden. Denn die Vision von der besseren Welt, die im Silicon Valley gern beschworen wird, hängt entscheidend davon ab, wer diese Welt definieren darf.

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