Die Zukunft des Internets Eine neue Version des Zwei-Klassen-Internets

Für all diejenigen, die das Internet nicht übermäßig viel oder für übermäßig anspruchsvolle Dinge nutzen, ist diese Entwicklung nett: Apps helfen ihnen dabei, den Überblick über offene Programme zu behalten und zwischen ihnen zu wechseln. Außerdem sind Apps oft schneller und intuitiver als Programme, die im Browser laufen. Für diese Menschen wird der Browser heruntergestuft zu einer App unter vielen, die eben dann genutzt wird, wenn es nicht anders geht.

Für Power-Nutzer jedoch wird diese neue App-Welt nicht reichen. Sie engt zu sehr ein, bietet nicht die Freiheiten, die die leere Browserzeile mit sich bringt. Doch genau diese Nutzer sind es, bei denen der Browser am schnellsten an seine Grenzen stößt, weil zu viele Tabs geöffnet sind, zu viele Prozesse parallel laufen. Sie sind die Zielgruppe, die Browser-Entwickler künftig ins Auge nehmen müssen.

Microsoft hat mit dem Start von Windows 10 das Ende des Internet Explorers angekündigt, er wird nicht mehr weiterentwickelt und durch den neuen Browser Edge ersetzt. Mozilla arbeitet am Rückgrat für den Firefox, eine neue Programmiersprache als Basis soll den Browser schneller und sicherer machen. Und während sich Browser-Klassiker Opera nach einem Käufer umsieht, entwickelt der frühere Opera-CEO Jon von Tetzchner einen Browser namens Vivaldi. Noch ist der in der technischen Vorschau, bald dürfte eine Beta-Version erscheinen. Die Zielgruppe: Nutzer, die viele Tabs verwalten und ihren Browser so gestalten wollen, dass er für sie effizienter ist.

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Neue Rebellen

Auf der einen Seite wird der Browser unwichtiger, auf der anderen wird er verbessert, um schneller und kraftvoller zu werden. Eine Entwicklung, die sich zu widersprechen scheint. Dabei spiegelt sie nur die Aufspaltung in zwei Zielgruppen wider: Auf der einen Seite stehen die Durchschnittsnutzer, die den Browser nur brauchen, um ab und an ein bisschen herumzusurfen. Auf der anderen Seite sind die Power-Nutzer, diejenigen, die sich von 20 offenen Tabs nicht überfordert fühlen, ganz einfach, weil das ihr Dauerzustand ist.

Sie sind die einzigen, die sich künftig noch für neue Browser begeistern werden. Vivaldi-CEO von Tetzchner sagt, dass sein neuer Browser "ein paar Millionen Nutzer" bräuchte, um sich zu rechnen. Das ist ambitioniert und kann höchstens funktionieren, weil er erkannt hat, was Power-Browser-Nutzer wirklich wollen: Schnelligkeit, Stabilität und vor allem Freiheit. Sie sind die neuen Rebellen.

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