20 deutsche Städte im Netz Google: Neuer Street-View-Versuch

Noch in diesem Jahr will Google Online-Straßenansichten der 20 größten deutschen Städte freigeben. Doch das Street-View-Comeback sorgt gleich für neuen Ärger.

Von Johannes Kuhn

Trotz heftiger Debatten drängt der US-Konzern Google mit seinem Straßenansichtsdienst Street View nach Deutschland: Bis zum Ende des Jahres sollen die Straßenzüge der 20 größten deutschen Städte im Netz abrufbar sein. Bereits heute sind die 3-D-Ansichten von Nordamerika und vielen europäischen Ländern verfügbar.

Kuriose Fotos auf Street View

Den Alltagswahnsinn voll im Blick

Der Deutschlandstart war ursprünglich für Anfang 2009 geplant, doch Proteste von Datenschützern sorgten dafür, dass Google bei der Privatsphäre nachbessern musste: Hausbesitzer und Mieter können nun Widerspruch gegen die Abbildung ihres Wohnhauses einlegen.

Die Fotos, die Google-Autos in den vergangenen Jahren mit einer 360-Grad-Kamera aufgenommen haben, werden dann aus dem Angebot entfernt und nach zwei Monaten auch von den Servern des US-Unternehmens gelöscht. Von kommender Woche an soll der Widerspruch mittels eines Online-Formulars möglich sein, das unter www.google.de/streetview zu finden sein wird.

Wer in einer der 20 Städte wohnt und sein Haus gleich beim Start von Street View ausradiert haben möchte, muss sich innerhalb von vier Wochen an Google wenden. Die Widersprüche können jedoch auch eingereicht werden, nachdem die Straßenansichten online gegangen sind.

Nach Absenden des Online-Antrags verschickt Google postalisch einen Code an die angegebene Anschrift, der wiederum zur Authentizifizierung auf der Webseite eingegeben werden muss. Dies soll sicherstellen, dass der Antragssteller an der angegebenen Adresse wohnt.

Mit der Ankündigung, Stadtansichten von Berlin bis Mannheim noch 2010 online zu stellen, hat sich das Unternehmen allerdings den Unmut von Hamburgs Datenschutzbeauftragtem Johannes Caspar zugezogen: Dessen Behörde ist federführend bei den Gesprächen mit Google und sieht sich nun vor vollendete Tatsachen gestellt. "Der Verhandlungsprozess ist noch nicht abgeschlossen", sagte Caspar der Süddeutschen Zeitung. Noch seien nicht alle Inhalte geklärt.

"Es handelt sich bei den Verfahrenzusagen nicht um ein großzügiges Entgegenkommen, sondern um eine Rechtspflicht, damit wir dem Projekt zustimmen können", stellte er zudem fest.

Street View, ein neuer Werbemarkt

Google erhofft sich von Street View weitere Möglichkeiten zum Verkauf von Online-Werbung. In der 3-D-Ansicht werden ortsbezogene Anzeigen eingeblendet, die vor allem für den wachsenden Werbemarkt bei internetfähigen Handys von Interesse sein dürften. Hier umwirbt Google lokale Kunden in Einzelhandel und Gastronomie.

Ein Patent des Unternehmens sieht zudem vor, die für Street View fotografierten Werbeflächen nochmals zu verkaufen: So könnten Kunden eine virtuelle Werbetafel auf dem New Yorker Times Square mieten, die Street-View-Nutzer dann beim Surfen zu Gesicht bekämen.

Google macht keine Angaben, wie viele Bundesbürger ihre Häuser aus dem Street-View-Universum löschen möchten. Der Konzern betont, sich im gesetzlich erlaubten Rahmen zu bewegen, da eine Software Gesichter und Autokennzeichen automatisch unkenntlich macht. Die Erfolgsquote liege hier bei etwa 90 Prozent.

"Wir fotografieren nur das, was auch jeder Passant und Fotograf ablichten kann", sagt der Google-Datenschutzbeauftragte Per Meyerdierks. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Kamerahöhe von 2,50 Metern einen äußerst intimen Blick auf die Grundstücke erlaube.

In der Vergangenheit hatten einige Kommunen gegen die Google-Fotografie protestiert und sich vorbehalten, hierfür Extra-Gebühren zu erheben. Die Justizminister der Länder haben inzwischen eine Initiative auf den Weg gebracht, die das Widerspruchsrecht gesetzlich festschreibt.

Staatsanwälte ermitteln

Bislang lehnt Google zum Beispiel offenbar die Möglichkeit von Sammelwidersprüchen von Kommunen unbedingt ab; diese könnte mit Hilfe des neuen Gesetzes durchgesetzt werden. Im Herbst verhandelt der Bundestag über die Initiative, allerdings hat sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière bereits gegen eine "Lex Google" ausgesprochen.

Obwohl die angekündigten Stadtansichten nur der Beginn der flächendeckenden Kartographierung Deutschlands sein dürften, sind derzeit keine Street-View-Autos unterwegs. Seit herauskam, dass das Google-Gefährt auch Schnipsel von Wlan-Datenübertragungen sammelt, ruht das Projekt. In vielen Ländern ermitteln derzeit Staatsanwälte wegen der Verletzung der Privatsphäre von Bürgern gegen den Konzern.

Die erforderlichen Fotos sind allerdings längst aufgenommen. Auf der Deutschlandkarte gelte es nur noch, "kleine Lücken" zu füllen, heißt es bei Google.