Deutsche Bahn In der 2. Klasse bleibt das Wlan zweitklassig

Bei voller Geschwindigkeit können Bahnkunden gerade einmal 160 Sekunden kostenlos surfen.

(Foto: dpa)
  • Ab Januar 2017 bietet die Bahn auf 85 Prozent ihrer ICE-Strecken kostenloses Wlan an.
  • In der 2. Klasse wird die Verbindung aber nach 200 Megabyte gedrosselt.
  • Die ungedrosselte Geschwindigkeit soll rund zehn Mbit/s betragen - bei maximalem Download-Tempo wäre das Volumen bereits nach 160 Sekunden aufgebraucht.

Die gute Nachricht: Wie geplant sollen Bahnkunden ab Januar in den meisten ICE-Zügen kostenlos im Wlan surfen können. Die schlechte Nachricht: Für Reisende in der zweiten Klasse ist der Spaß schon nach 200 Megabyte wieder vorbei. Ab diesem Datenvolumen greift eine Drosselung: Wer innerhalb von 24 Stunden mehr verbraucht, surft mit eingeschränkter Geschwindigkeit weiter.

Im Klartext heißt das: Chatten und E-Mails checken ist kein Problem, sich Filme anzuschauen oder Games zu spielen dagegen unmöglich. Auf längeren Bahnfahrten dürfte auch Musikstreaming problematisch werden und zur Drosselung führen. Immerhin werden durch eine Kooperation mit dem Videoanbieter Maxdome 50 Filme gratis angeboten. Diese liegen auf einem lokalen Server im Zug.

Surfen mit zehn Megabit pro Sekunde

Das Datenlimit gilt pro Endgerät. Theoretisch könnte man also mit dem Smartphone Musik hören und mit dem Laptop surfen und käme dann auf insgesamt 400 Megabyte Volumen. Die ungedrosselte Geschwindigkeit liege auf einem Großteil der Verbindungen bei zehn Megabit pro Sekunde, sagte Michael Peterson, Marketing-Vorstand der Bahntochter DB Fernverkehr. Wer mit maximalem Tempo Daten herunterlädt, wird bei einer Beschränkung auf 200 Megabyte also bereits nach 160 Sekunden gedrosselt.

Zum Vergleich: Bereits mit 3G-Verbindungen sind auf dem Smartphone bis zu 42 Mbit/s möglich, DSL-und Kabelanschlüsse sowie LTE-Netze ermöglichen mehrere hundert Mbit/s. Unklar ist, mit welchem Tempo gedrosselte Kunden surfen können. Ein Sprecher der Deutschen Bahn teilte lediglich mit, dass die Geschwindigkeit "deutlich über 128 kbps" liegen werde.

Acht Prozent der Nutzer verbrauchen mehr als 50 Prozent des Volumens

Angeblich sei das begrenzte Datenvolumen für die meisten Kunden völlig ausreichend, das hätten im Vorfeld durchgeführte Untersuchungen ergeben. "Mit 200 Megabyte können wir mehr als 80 Prozent der Bedürfnisse der Fahrgäste der zweiten Klasse befriedigen", sagte Peterson. Acht Prozent Power-Surfer verbrauchten dagegen mehr als die Hälfte des Volumens.

Um unbegrenzt zu surfen, gibt es derzeit nur eine Möglichkeit: ein Zugticket in der ersten Klasse buchen - dort wird nicht gedrosselt. Allerdings hat die Bahn angekündigt, auch hier ein Datenlimit zu prüfen, wenn einzelne Nutzer sehr viel Traffic verursachen. Ein Sprecher sagte, man denke darüber nach, "für Reisende in der 2. Klasse eine kostenpflichtige Option anzubieten, mit der sie mit hoher Geschwindigkeit weitersurfen können."

Die Bahn will das kostenlose Wlan ab 2017 anbieten. Dann sollen Kunden auf 85 Prozent der Strecken davon profitieren. Auf den restlichen Strecken, "typischerweise in ländlichen Gebieten", gebe es noch Lücken in der Netzabdeckung der drei Mobilfunkanbieter. In das Projekt werden über drei Jahre 120 Millionen Euro investiert. Bislang hatte die Deutsche Bahn exklusiv mit der Deutschen Telekom und T-Systems kooperiert, in Zukunft werden auch Vodafone und Telefónica beteiligt sein. Das könnte die aktuell eher unzuverlässige Wlan-Verbindung für Zugreisende verbessern.

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