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Der Facebook-Faktor:Warum politische Satire Konjunktur hat

Satire hat in der politischen Topografie Facebooks einen ähnlich hohen Stellenwert wie überregionale Medien, die in erster Linie der Information dienen. Der Postillon oder die "heute-show" beispielsweise rangieren bei Linken, Grünen, SPD, FDP, CDU und CSU weit oben und spielen damit in einer Liga mit der Tagesschau, Spiegel Online, den ZDF-heute-Nachrichten und der Süddeutschen Zeitung. Jan Böhmermann, Dieter Nuhr und Extra 3 landen immerhin bei vier bis fünf Parteien in den Top 100 - vergleichbar mit der Wochenzeitung Die Zeit, Zeit online, Faz.net, Focus Online oder n-tv.

Das Umfeld der AfD ist eine weitgehend humorfreie Zone. Selbst beim Postillon und der "heute-show", bei denen sich die Anhänger aller anderen Parteien so einig sind, dass sie auf den Top-100-Listen von Linken bis CSU landen, finden sich deutlich weniger AfD-Nutzer. Ähnlich bei Extra 3 und Dieter Nuhr, die bei den meisten anderen Parteien ebenfalls einen hohen Stellenwert haben. Die Grafiken zeigen die Beliebtheit von Satirikern und Satire-Sendungen in den verschiedenen Parteienmilieus. Je ausgeprägter die Ausschläge entlag der Achsen, desto höher die Popularität unter den einer Partei nahestehenden Nutzer. Je mehr Parteiachsen das farbige Feld umfasst, desto verbreiteter sind sie über Parteigrenzen hinweg. Die Leerstelle bei der AfD verweist also auf das Desinteresse der AfD-Nutzer an vielen Satireangeboten:

Satiriker und Satiresendungen sind mit ihren Pointen und Witzen in sozialen Netzwerken populär. "Soziale Netzwerke dienen auch dazu, sich zu unterhalten und sich positiv zu präsentieren und das funktioniert mit unterhaltsamer Information besser als mit rein aktueller", sagt die Professorin Katharina Kleinen-von Königslöw, die an der Uni Hamburg zu digitalisierter Kommunikation forscht. "Politische Satire hat deswegen in den vergangenen Jahren über die sozialen Netzwerke deutlich mehr Raum und Aufmerksamkeit bekommen."

Dass satirische Angebote ein Übergewicht im Vergleich mit rein komödiantischen haben, hat seinen Grund auch in dem stark politisch interessierten Publikum. Menschen, die auf Parteiseiten unterwegs sind, haben augenscheinlich eine höhere Affinität zu Posts, die einen auf sozialkritischer oder politisch kommentierender Ebene lachen lassen. Die hohe Akzeptanz über Parteigrenzen hinweg spricht allerdings auch dafür, dass es - etwa beim Postillon oder der "heute-show" - auch Inhalte gibt, die eher spielerisch und nicht polarisierend sind, oder dass die Inhalte zumindest keine allzu ausgeprägte politische Schlagseite haben.

Dieser Beitrag ist Teil der großen Datenrecherche der SZ, in der wir die politische Macht auf Facebook analysiert haben. Lesen Sie:

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