Der Facebook-Faktor Das sind die Hausgötter der AfD

In AfD-Kreisen werden Jutebeutel mit dem Konterfei des Thüringer Landeschefs Björn Höcke vertrieben. Für die, die sie kaufen, sind sie Fanartikel oder politische Statements. Für andere AfD-Anhänger, die auf Facebook kommentieren, dagegen nur "Devotionalien", die sie ablehnen ("Personenkult ist was für Untertanen nicht für freie Bürger").

In der kurzen Debatte um die Höcke-Taschen ist ein Widerspruch enthalten, der die AfD bestimmt: Sie wirft insbesondere der CDU und der Kanzlerin mit ihren immer noch hohen Beliebtheitswerten "Personenkult" vor. Dabei ist starke Personalisierung ein gängiges Instrument der AfD, um auf Facebook nach Likes zu jagen - die im September in Stimmen umgemünzt werden sollen.

Keine andere Partei zieht mit ihrem Führungspersonal oder anderen mehr oder weniger schillernden Figuren Fans an wie die AfD. Das zeigt sich nicht nur in ihren Posts, bei denen politische Forderungen gern von lächelnden Parteigrößen begleitet werden. Es zeigt sich auch in den Präferenzen der AfD-nahen Facebook-Nutzer: Unter den Top-15 der beliebtesten Seiten finden sich dort zehn Seiten von Personen.

Die AfD lehnt "Personenkult" ab, aber personalisiert die politische Auseinandersetzung

Die Hausgötter der AfD-Sympathisanten sind demnach (in dieser Reihenfolge): Parteichefin Frauke Petry, der österreichische Rechtspopulist Heinz-Christian Strache, mit Harald Vilimsky ein weiterer FPÖ-Politiker, die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch, der Co-Parteivorsitzende Jörg Meuthen, US-Präsident Donald Trump, der Schweizer Rechtspopulist Ignaz Bearth, der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke, die baden-württembergische und nun auch bundespolitische Spitzenkandidatin Alice Weidel und die Front-National-Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen. Die Grafik bildet die mehr oder weniger stark ausgeprägte Popularität einzelner Politiker im rechten und konservativen Lager ab - und dass sie links der CDU in den Parteimilieus eigentlich keine Rolle mehr spielen:

Bei den übrigen Parteien finden sich unter den beliebtesten 15 Seiten deutlich weniger Facebook-Auftritte von Politikern. Von CDU bis Linke sind es nur vier bis sieben - stattdessen gefallen den Nutzern in deren Milieus Medien, die eigene Bundestagsfraktion, befreundete Parteien oder auch einfach die Fußball-Nationalmannschaft. Ausnahme ist auch hier CSU, mit neun Personen-Seiten in der Hitliste. Einen nicht unerheblichen Teil der Galionsfiguren ihrer Facebook-Gemeinden haben CSU und AfD auch gemein: AfD-Chefin Frauke Petry, die FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Harald Vilimsky sowie US-Präsident Donald Trump etwa rangieren in der Anhängerschaft beider Parteien weit vorne. Bei den Christsozialen kommen schließlich noch CSU-Größen wie Parteichef Horst Seehofer, der bayerische Finanzminister Markus Söder oder der auf Facebook sehr aktive Generalsekretär Andreas Scheuer hinzu.