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Der Facebook-Faktor:Was Linken und Rechten wirklich wichtig ist

In der politischen Rechten hat der Begriff "Gutmensch" als Kampfbegriff Karriere gemacht. Mit ihm will sie Altruismus und Political Correctness vor allem gegenüber Nichtdeutschen verunglimpfen. Rechts geht es dagegen um die Abwehr des Fremden.

Zumindest in Facebook-Schaufenstern entlang des politischen Spektrums scheint eine gewisse Wahrheit in solchen Rechts-links-Klischees zu liegen. Wenn es um gesellschaftliches Engagement geht, rangieren beispielsweise bei den Grünen und der Linken Seiten wie "Netz gegen Nazi", "Laut gegen Nazis", "Greenpeace", "Pro Asyl", "Amnesty International Deutschland" weit oben. Auch die Seite der DKMS Deutschland, die Knochenmarkspenden unterstützt, gefällt. In der Tendenz sieht das bei SPD-Nutzern ähnlich aus, nur kommt hier noch eine ausgeprägte Europa-Orientierung dazu. Die Stoßrichtung ist klar: für Toleranz, Menschenrechte, Umweltschutz, gegen rechts - und auch explizit gegen die AfD (die gleichnamige Facebook-Gruppe hat ebenfalls viele Fans unter den Anhängern von SPD, Linkspartei und Grünen). In der Grafik unten lässt sich das an den Farbmustern ablesen: In vielen Zeilen, also für etliche Facebook-Seiten, gibt es eine Häufung entweder auf der linken - oder eben auf der rechten Seite.

Links dominiert Altruismus, rechts klare Feindbilder

Wie in den gegensätzlichen Farbclustern zu sehen, zeichnet sich bei der AfD auf Facebook ein Gegenentwurf zum eher altruistisch orientierten linken Portfolio ab. Der AfD-Kosmos definiert sich über Ablehnung und Negation. Das ist - bereits in der Namensgebung - besonders augenfällig bei den dort beliebten Gruppen wie "Multikulti? Nicht mit uns" oder "Bürger sagen Nein". Man spottet über die Illusion der "schönen heilen Welt vom fröhlich-friedlichen Zusammenleben", die sich nicht mehr aufrechterhalten lasse; man fordert "kein globales Niederlassungsrecht für Wirtschaftsmigranten!" oder "Besser leben ohne Multikulti"; man schürt Ängste vor "Terrorimport" und "asylbetrügenden Mördern, Vergewaltigern und Gewalt-Verbrechern".

AfD-nahe Facebook-Nutzer verweigern sich dem, was sie als fremd und anders empfinden, und haben klare Feindbilder wie den Islam und die (vermeintliche "Lügen"-) Presse. Zu diesen Feindbildern zählt auch die Kanzlerin als oberste Repräsentantin des "Mainstream" und Vertreterin einer liberalen Asylpolitik, deren Rücktritt in einer eigenen Gruppe gefordert wird. Studien über die Anhänger der Partei in der analogen Welt weisen in eine ähnliche Richtung: Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zufolge ist die AfD in den vergangenen Jahren sukzessive weiter nach rechts gerückt - wie ihre Anhänger, die überwiegend Unzufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland und "große Sorgen um Zuwanderung" äußerten ( PDF).

Politisches Engagement müsse nicht automatisch konstruktiv sein, betonen daher auch die Autoren der Mitte-Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, die zum Ergebnis kommt, dass AfD-Anhänger in "nahezu allen Dimensionen rechtsextremer und menschenfeindlicher Einstellungen (...) mit Abstand den höchsten Zustimmungswert" erreichen. Über die Partei und ihr Klientel heißt es: "Mit Kampfbegriffen wie 'Asylchaos', 'EU-Krise', 'Merkel muss weg' sammelt die Partei wie ein parteipolitischer Staubsauger die Unzufriedenen ein und betreibt mit den Mitteln des fortwährenden Tabubruchs eine eskalierende Politik der Feindbilder." ( PDF).

Zugewandt, positiv eingestellt, "dafür" ist man im AfD-Lager auch auf Facebook nur - wie es der Parteiname vorgibt - wenn es um Deutschland geht, etwa in Gruppen wie "Ein Prozent für unser Land" oder "Wir für Deutschland" oder - sprachlich etwas widersprüchlich - "JA, ich lehne den Islam ab".

Bei der CSU gibt es ähnliche Tendenzen (Ablehnung der Lügenpresse, von Multikulti), wobei solche Gruppen im christsozialen Umfeld weniger dominieren. Die CSU-Sphäre ist insgesamt weniger politisch uniform. Wer auf Facebook die Seite der Partei frequentiert, lehnt in der Tendenz die Grünen ab und mag die Bundeswehr, genauso aber DKMS Deutschland. Ansonsten haben hier Unterhaltung und Hobbys größere Bedeutung - zum Beispiel Fußball (selbstverständlich der FC Bayern und die Nationalmannschaft) oder Einkaufen (Amazon).