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Der Facebook-Faktor:"Mit welchem Hass manche Leute dort zugange sind ..."

Wie wird auf Facebook kommentiert und diskutiert?

"Bei Facebook kommentieren oft die, die sich im wahren Leben nicht politisch äußern. Wenn ich bei der CSU oder der FDP einen Kommentar setze, dann passiert das mit meinem richtigen Namen, weil ich dafür einstehe. Ich finde es wichtig, dass man sich politisch äußert und natürlich auch zur Wahl geht. Das sage ich auch meinen Kindern." Bettina Sprenzel, FDP-Wählerin

"Facebook-Kommentare sind kein Ponyhof. Natürlich geht es da manchmal zur Sache. Aber das ist am Stammtisch doch nicht anders. Wenn Leute glauben, dass sie unter sich sind, dann lassen sie halt auch mal die Sau raus. Ein paar wütende Kommentare sind doch allemal besser als echte Beleidigungen oder Drohungen. Ich glaube, dass soziale Medien als Ventil dienen, um sich abzureagieren. Dass sich Menschen dort radikalisieren, kann ich mir nicht vorstellen." Annika Kramer, AfD-Wählerin

"Man muss andere Meinungen akzeptieren, aber definitiv nicht gutheißen. Und das ist auch das Schwierige an Facebook, dass es sofort ins Persönliche geht. Da halte ich mich dann raus." Anton Koppenhofer, CSU-Mitglied

"Es passiert bei einer Tageszeitung nicht, dass Tausende Menschen über einen herfallen. So einen Shitstorm hat man nur in sozialen Medien. Durch die virale Verbreitung können in ganz kurzer Zeit Fake News verbreitet werden. Das hat man ja auch professionell zur Desinformation genutzt, wie die Russen im Fall Lisa." Ralf-Dieter Brunowsky, FDP-Mitglied mit Sympathien für die CDU

"Diese menschenverachtenden Postings machen mir schon zu schaffen. Mit welchem Hass manche Leute dort zugange sind - vor allem gegenüber Menschen, die vom Namen her ausländisch klingen. Ich schalte mich in Diskussionen ein, wenn offensichtlich falsche Dinge dastehen. Ich bohre nach und frage, woher jemand überhaupt seine Informationen hat." Claudia Jacobs, Mitglied Bündnis 90/Die Grünen

"In meinem Privatleben und auf der Arbeit führe ich keine politischen Diskussionen, bei Facebook schon. Man kann Freundschaften riskieren, wenn man auf Leute trifft, die anderer Meinung sind und nicht diskutieren wollen. Im Internet bin ich mit Klarnamen unterwegs - nicht hinter Pseudonym versteckt - und da geht es, was die Politik betrifft, viel intensiver zu als im analogen Leben." Renate Hilberg, SPD-Mitglied

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