Deep-Mind-Chef Demis Hassabis Ritter der digitalen Tafelrunde

Demis Hassabis war Schachwunderkind, Spieleentwickeler, Superhirn, dann Künstliche-Intelligenz-Forscher mit eigener Firma. Wie andere junge Tüftler ist er mit dem Startup reich geworden: Google hat es gerade für 400 Millionen Dollar gekauft.

Von Andrian Kreye

Neulich spielte Demis Hassabis mit dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg eine Partie Schach. Das war nicht fair, weil der 37-jährige Hassabis in seinen frühen Jahren als Schachwunderkind internationale Meisterschaften gewonnen hat. Später bei den Denksportwettbewerben der Mind Sports Olympiad schaffte er dann als einziger Teilnehmer jemals fünf Mal hintereinander den ersten Platz.

Mark Zuckerberg stand jedenfalls schon nach ein paar Minuten kurz vor dem Matt. Also tauschten die beiden die Plätze. Hassabis spielte gegen seine eigene Überlegenheit, zwang Zuckerberg wieder in die Enge, tauschte wieder den Platz. Und gewann. Das alles geschah in der Küche von Sergey Brin, dem Google-Gründer, dessen Küche eher ein Loft mit Kochinsel ist. Hassabis wiederum ist der Chef der Firma Deep-Mind, die künstliche Intelligenz erforscht.

Tony Fadell war an diesem Abend auch da, der Erfinder des iPod, der seine Thermostatfirma Nest gerade an Brin verkauft hat. Es war also einer jener Abende im Silicon Valley, bei denen junge Menschen in Sportkleidung zusammenkommen, die etliche Millionen, manchmal auch Milliarden Dollar reich sind. Bei solchen Abenden hecken sie dann lustige Dinge aus, wie zum Beispiel Bergbau auf Asteroiden zu betreiben oder Autos ohne Fahrer zu bauen.

Der gebürtige Londoner Hassabis gehörte schon länger zu diesen Kreisen. Diese veranstalten regelrechte Tafelrunden mit Intellektuellen und Forschern, die sie nicht nur auf höchstem intellektuellem Niveau unterhalten, sondern auch mit Ideen füttern. Seit dieser Woche gehört Hassabis so richtig dazu. Google hat seine Firma für 400 Millionen Dollar gekauft. Es könnten auch 500 Millionen sein, aber man redet nicht so gerne über Geld im Valley.

Es geschieht nicht oft, dass gleich zwei Intellektuelle der digitalen Tafelrunden in die erste Reihe des Silicon Valley aufrücken. Mit Tony Fadells Thermostaten will Google demnächst in die Häuser der Menschen vorstoßen, mit der Technologie von Demis Hassabis in die Köpfe. Google ist nicht der erste digitale Gigant, der das plant. Auch Facebook hat viel Geld in Wissenschaftler investiert, die sich auf Technologien des "Deep Learning" verstehen. Und wollte Deep-Mind ebenfalls kaufen.

Man weiß nicht genau, was Demis Hassabis mit Deep-Mind entwickelt. Auf der Website der Firma gibt es nur eine einzige, karge Seite, auf der bekannt gegeben wird, dass die Firma die besten Techniken des Maschinenlernens und der Systemneurologie kombiniert, um leistungsstarke Lernalgorithmen zu schaffen. Man erwartet viel. Zwischen seinen Jahren als Schachwunderkind und Halbmilliardär war Demis Hassabis ja auch noch Spieleentwickeler, Neurologe und Künstliche-Intelligenz-Forscher in Harvard und am MIT. Gäbe es einen Computer, der nur halb so viel könnte wie er, wäre der das erste Superhirn. Deswegen hat man bei Google angeblich schon einen Ethikrat eingerichtet. Aber das könnte auch Show sein.