Debatte um die Zukunft des Internets Von Faires Urheberrecht bis Privatkopie

Faires Urheberrecht

Name einer Vereinigung von Unionspolitikern, die sich für ein zukunftsfähiges Urheberrecht einsetzen wollen - und darunter nicht nur eine stärkere Rechtsdurchsetzung verstehen wollen. Unter faires-urheberrecht.de sprechen sie sich gegen Netzsperren und für ein Fair-Use-Prinzip auch in Deutschland aus.

Gema

Abkürzung für die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Die Verwertungsgesellschaft vertritt die Rechte von Komponisten, Textdichtern und Verlegern und geriet 2012 aus zahlreichen Gründen in öffentliche Debatten. Im Sommer wegen der Bundestagspetition mit der Nummer 35441, die von mehr als 62 000 Menschen unterzeichnet wurde. Sie fordern, die sogenannte Gema-Vermutung aus dem Urheberrechts-Gesetz zu streichen. Aktuell verursacht die sogenannte Tarifreform Aufregung, die die Gebührenordnung für Discotheken- und Clubbesitzer neu regeln soll. Auch der Tantiemen-Streit mit dem zum Konzern Google gehörenden Videoportal Youtube erregte und erregt viel Aufmerksamkeit. Unterstützung erhielt die Gema von Sven Regener (siehe Element of Crime), der während seines Radiointerviews sagte: "Die Gema sind wir, die Komponisten und Textdichter."

Heveling, Ansgar

Deutscher Bundestagsabgeordneter aus Korschenbroich in Nordrhein-Westfalen. Er wurde bekannt, als er zu Beginn des Jahres 2012 in einem Beitrag im Handelsblatt die Netzgemeinde scharf angriff und ihr ein baldiges Ende voraussagte: "Das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird."

Internet und digitale Gesellschaft

Titel der Enquete-Kommission des Bundestages, die im Sommer 2010 einberufen wurde und sich mit den Folgen der Digitalisierung befassen soll. Ein zentrales Thema der Kommission, die sich aus 17 Parlamentariern und 17 "Sachverständigen" zusammensetzt, ist das Urheberrecht.

Juristen

Gewinner der aktuellen Auseinandersetzung sind bisher einzig Juristen. Sogenannte Abmahnanwälte verdienen ihr Geld damit, Menschen abzumahnen, die unautorisierte Kopien von urheberrechtlich geschütztem Material zum Download anbieten. Constanze Kurz vom CCC (siehe Chaos Computer Club) rechnete im Mai in der FAZ vor: "Über zweihunderttausend kostenpflichtige Abmahnungen mit einem Durchschnittsbetrag von knapp tausend Euro wurden im Jahr 2011 verschickt. Das ergibt eine Gesamtsumme von mehr als 190 Millionen Euro."

Korb, dritter

Bezeichnung für die angekündigte Urheberrechtsreform, die von der Bundesregierung bisher jedoch nicht vorgelegt wurde. Stattdessen wurde von Schwarz-Gelb ein Gesetzentwurf zum Leistungsschutzrecht auf den Weg gebracht, der Ende November in erster Lesung nach 23 Uhr im Bundestag debattiert wurde. Im Parlament waren zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige Abgeordnete anwesend, auf Twitter wurde die Debatte allerdings von vielen Nutzern verfolgt.

Lobbyist

"Das sollte sich jeder fragen, ob er sich zum Lobbyisten von einem internationalen Großkonzern machen will", sagte Sven Regener in seinem Wutanfall (siehe Element of Crime). Der Begriff des Lobbyisten machte auch in anderen Teilbereichen der Urheberrechtsdebatte die Runde. Einzig der Lobbyist für den Nutzer ist bisher noch nicht gefunden.

Megaupload

Name eines mittlerweile geschlossenen One-Click-Hosters des in Neuseeland lebenden gebürtigen Kielers Kim Schmitz. Anfang des Jahres 2012 wurde der 38-Jährige, der sich auch Kim Dotcom nennt, wegen eines Auslieferungsbegehrens des FBI verhaftet Ihm wurde vorgeworfen, Urhebern einen Schaden von mehr als 500 Millionen Dollar zugefügt zu haben.

Netzgemeinde

Oberbegriff für eine nur schwer greif- und definierbare Gruppe von Netznutzern. "Liebe Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren", stand Ende Januar des Jahres im Handelsblatt. "Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers, es ist die Perspektive eines geschichtsbewussten Politikers." Dieser kommt aus Korschenbroich (Siehe Heveling, Ansgar) und rief in seinem Gastbeitrag: "Bürger auf zur Wacht" - gegen die Gefahren der Digitalisierung und adressierte dabei eine untergehende Netzgemeinde (siehe Netzgemeinde), die wenige Wochen später die 51 Drehbuchautoren ebenfalls ansprachen.

Organisationsform, alternative

Als solche versteht sich die geplante nicht exklusive Verwertungsgesellschaft C3S, die es laut eigenen Angaben "Musiker und Musikerinnen ermöglicht, ihre unter nicht-kommerziellen Creative-Commons-Lizenzen veröffentlichten Werke außerhalb traditioneller Schemata kommerziell verwerten zu lassen". Dabei würde C3S eine Alternative zur Gema bilden. War in diesem Jahr nicht nur wegen der Gema im Gespräch, auch der zehnte Geburtstag der CC-Lizenzen trug dazu bei. Anfang 2013 will die C3S als Organisation offiziell auftreten und anschließend einen Antrag auf Zulassung als Verwertungsgesellschaft beim Deutschen Patent- und Markenamt einreichen.

Privatkopie

Im Rahmen des deutschen Urheberrechts über eine sogenannte Schrankenbestimmung geregelter Ausgangspunkt der Debatte. Durch die Möglichkeiten der Digitalisierung kann jedermann jederzeit Kopien ohne Qualitätsverluste anfertigen. Der britische Wirtschaftsminister Vincent Cable kündigte kurz vor Weihnachten eine umfassende Reform des britischen Urheberrechts an, in der er auch die Privatkopie rechtlich verankern will.