Dating-App Liebeschaos bei den Tinder-Chefs

Viel Liebe, das ist das Versprechen von Tinder.

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Es geht um Sex, Liebe und gekränkte Egos. Der Anbieter der Dating-App Tinder kommt nicht zur Ruhe. Nun ist auch der Mitgründer seinen Job los - weil er nicht eingeschritten ist.

Von Kathrin Werner

Die beiden Gründer sind die besten Freunde. Ins Büro kommen sie oft im Partnerlook, beide lieben knallenge Jeans und Sakkos. Sie haben die gleiche dunkelbraune Kurzhaarfrisur, die gleichen braunen Augen. Sie kennen sich, seitdem sie 14 sind, beide sind in Beverly Hills aufgewachsen. An der Uni waren sie ständig zusammen. Sie gründen ein Start-up zusammen, der eine wird Vorstandschef, der andere Marketingvorstand. Sie laden sich gegenseitig zum Abendessen zu den Eltern ein. Und als der eine von beiden sein Auto zu Schrott fährt, leiht er sich einfach das Auto des anderen. Schließlich fahren beide den exakt gleichen schwarzen 115 000 Dollar teuren G-Klasse-Mercedes. Auch heute noch, nachdem alles den Bach runter gegangen ist, reden sie vier Mal am Tag miteinander.

Sean Rad und Justin Mateen, beide 28 Jahre alt, haben Tinder gemeinsam gegründet. Das ist diese unglaublich erfolgreiche Dating-App. Hinter den Kulissen tobt ein Streit um Sex, Liebe, Freundschaft, Penisbildchen und verletzte Egos. Marketingchef Mateen musste vor ein paar Wochen gehen. Nun hat der Skandal auch Rad seinen Job gekostet. Er dreht sich um Whitney Wolfe, die bei Tinder im Marketing anheuerte und Mateens Freundin wurde. Als die Beziehung in die Brüche ging, wurde es hässlich. Wolfe hat Tinder und den Hauptinvestor IAC wegen sexueller Belästigung verklagt. Mateen habe Wolfe fiese SMS geschickt und soll sie im Büro mehrfach "Nutte" genannt haben - und Schlimmeres. Rad war dabei und ist nicht eingeschritten.

Start-up mit immensen Wachstumsraten

Tinder ist ein Start-up-Phänomen mit Wachstumsraten, von denen andere nur träumen. Das Programm funktioniert nur auf dem Smartphone und ist denkbar einfach: Nur ein paar Klicks und schon kann man in der Tinder-App ein Profil erstellen, das aus einer Handvoll Fotos besteht. Wer mag, kann noch drei Sätze über sich sagen, sonst gibt es außer dem Alter keine Informationen. Die App weist per Ortungssystem Männer und Frauen einander zu, die in der Nähe voneinander sind - oder Männer und Männer und Frauen und Frauen, je nach Vorlieben. Wer das Profil auf dem Smartphone-Display nach links zieht, lehnt das Profil ab, wer nach rechts wischt, signalisiert Interesse. Wenn zwei Nutzer das Profil des jeweils anderen nach rechts gewischt haben, ist es ein Match. Jetzt können die beiden miteinander chatten.

Tinder verlangt keine Zusatzinformationen. Das Einzige, was zählt, sind die Fotos. "Wann war das letzte Mal, dass du in eine Bar gekommen bist und jemand zu dir gesagt hat: ,Entschuldigung, kannst du dieses Formular ausfüllen und wir verbinden dich mit Leuten hier?'", fragt Tinder-Gründer Rad. Tinder, so der Standard-Vorwurf, ist die oberflächlichste Onlineplattform für Dating der Welt. Aber Rad hat sie erfunden, um Flirten im Offline-Leben zu simulieren. Wer die Frau im Supermarkt nach der Telefonnummer fragt oder dem Typ am anderen Ende des Tresens zuzwinkert, hat diese Entscheidung schließlich auch allein aufgrund von Äußerlichkeiten getroffen. Das Ganze macht süchtig: Im Schnitt beschäftigt sich ein Nutzer elf Mal am Tag mit Tinder. Frauen verbringen pro Session 8,5 Minuten mit dem Links- und Rechtswischen (sie wischen übrigens deutlich seltener nach rechts), Männer 7,2 Minuten. Macht pro Tag gut eineinhalb Stunden.