Datenschutzbeauftragte Voßhoff Agenda einer Unsichtbaren

"Mein Stil ist nicht die tägliche Schlagzeile", sagt Andrea Voßhoff, die Bundesbeauftragte für Datenschutz.

(Foto: dpa)
  • Die Datenschutzbeauftragte des Bundes, Andrea Voßhoff, muss derzeit einiges einstecken.
  • Ein Ausfall sei sie, eine Bremserin, eine Katastrophe, sagen ihre Kritiker aus den Häusern der Landesdatenschutzbeauftragen. Weniger durch ihr Tun, als vielmehr durch ihr Nichttun scheint sie anzuecken.
  • Sie rechtfertigt sich mit der zu dünnen Personaldecke ihrer Behörde. Die Funktionsfähigkeit sei derzeit nicht gegeben. Voßhoff fordert mehr Stellen.
Von Thorsten Denkler, Bonn

Beginnen wir mit der Kritik. Von der gibt es nämlich reichlich. Neulich erst wieder in der FAZ. "Die Datenschutzbeauftragte ist ein Desaster", schrieb dort die Sprecherin des Chaos Computer Clubs, Constanze Kurz.

Oder im Tagesspiegel. Der bilanzierte, der breiteren Öffentlichkeit müsse immer noch erklärt werden, wer die Datenschutzbeauftragte überhaupt sei. Die sei "weitgehend unbekannt".

Es geht um Andrea Voßhoff. An diesem Freitag ist es ein Jahr her, dass der Bundestag die heute 56-Jährige zur Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit gewählt hat.

Seitdem hat sie so einiges einstecken müssen. Wer sich umhört unter den Datenschützern im Land hört wenig Freundliches über sie: Eine "Katastrophe" sei Voßhoff für den Datenschutz, ein "Ausfall", eine "Bremserin", ihr fehle es noch immer an "Fachkompetenz", sie sei "schädlich für den Standort Deutschland". Alles Stimmen aus den Häusern der Landesdatenschutzbeauftragen. Mal von ganz oben, mal von Mitarbeitern.

Offen reden will keiner. Die Stimmung in der Konferenz der Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern sei seit Voßhoffs Amtsantritt ohnehin nicht die Beste, sagt einer. Da wolle er kein Öl ins Feuer gießen.

"Im Wesentlichen unsichtbar"

Rena Tangens hat damit naturgemäß weniger Probleme. Sie spricht für Digitalcourage aus Bielefeld, einen der Vereine, die alljährlich den BigBrother Award vergeben. Am Telefon lacht sie kurz auf, als sie merkt, dass es um eine Würdigung der Arbeit von Andrea Voßhoff geht. "Frau Voßhoff ist als Datenschutzbeauftrage im Wesentlichen unsichtbar", sagt sie. "Man kann sagen, dass die Bundesregierung ihre Missachtung für das Thema zum Ausdruck gebracht hat, in dem sie Frau Voßhoff auf den Posten gesetzt hat."

Kaum ein Jahr im Amt scheint Voßhoff alle gegen sich aufgebracht zu haben, die irgendetwas mit dem Thema Datenschutz in Deutschland zu tun haben. Weniger durch ihr Tun, als vielmehr durch ihr Nichttun.

Das unterscheidet sie von ihrem Vorgänger Peter Schaar: Der hat sich geradezu zerrissen für das Thema Datenschutz. Und lieber einmal zu viel als einmal zu wenig vor der Datensammelwut des Staates oder privater Unternehmen gewarnt. Er hat damit die Messlatte für jeden Nachfolger ziemlich hoch gelegt.

Zeit für einen Besuch in Bonn.

Mit der Straßenbahnlinie 61 geht es vom Bahnhof zur Haltestelle Husarenstraße. Hausnummer 30, da liegt der Dienstsitz von Andrea Voßhoff. Ein vierstöckiger Zweckbau aus den Anfangsjahren der Republik. Energiesparleuchten erhellen das Foyer, ein spärlicher Weihnachtsbaum mit elektrischen Kerzen ist der einzige Schmuck.

Keine Zeit für Grundsätzliches

Voßhoffs Büro im dritten Stock wirkt ähnlich karg. An einer Wand hängt türrahmenhoch eine Fotografie im Großformat. Sie zeigt den verschwommenen Blick durch grauweiße Gardinen auf einen entlaubten Herbstbaum vor grauem Himmel. Passt irgendwie zum Thema Datenschutz: Da wollen viele auch lieber nicht so genau hinschauen.

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Andrea Voßhoff begrüßt ihren Gast mit festem Händedruck. Eine stämmige Frau, die so leicht nichts umzuhauen scheint. Sie spricht schnell und viel. Manche Silben verschluckt sie, manche Sätze enden im Nirwana. Sie kündigt an, Pläne zu haben, dass sie demnächst mal etwas Grundsätzliches sagen will, zu Big Data und anderen Themen. Dafür sei ja bisher noch keine Zeit gewesen.

Wie empfindet sie die harsche Kritik? "Das erste Jahr ist noch nicht verstrichen, da haben alle schon ihre endgültiges Urteil gefällt", sagt sie.