Datenschutz Pornhub identifiziert Darstellerinnen mit Gesichtserkennung

Pornhub ist eine der größten Plattformen für Pornographie. Meist haben die Frauen weniger an als auf diesem Bild.

(Foto: Pornhub / PR)
  • Die Pornografie-Plattform Pornhub setzt Gesichtserkennungs-Software ein.
  • Damit sollen Darstellerinnen in Videos automatisch identifiziert und die Clips entsprechend verschlagwortet werden.
  • Experten warnen, dass die Technologie missbraucht werden könnte - etwa um Amateurdarsteller bloßzustellen.

Die meisten Pornhub-Besucher suchten 2016 nach Begriffen wie "lesbian" oder "MILF". Wenn es nach den Betreibern der Pornographie-Plattform geht, sollen Nutzer in Zukunft direkt die gesamte Datenbank nach ihren Lieblingsstars durchsuchen können. Pornhub setzt deshalb auf Künstliche Intelligenz (KI) und Gesichtserkennung, die Darstellerinnen und Darsteller in den Videos automatisch erkennen und verschlagworten soll. Bislang musste die Arbeit händisch erledigt werden.

Das Unternehmen will mit Hilfe einer eigens dafür entwickelten Technologie nach und nach alle fünf Millionen Videos scannen und mit Tags versehen. In Zukunft soll die Software außerdem erkennen, welche Haarfarbe die Darsteller in dem Video haben, wo gedreht wurde und welche Sexstellungen vorkommen. Die Filme werden dann automatisch korrekt verschlagwortet.

Gesichtserkennung könnte Privatsphäre von Amateurdarstellern gefährden

Doch in Sachen Datenschutz ist die Anwendung der Gesichtserkennung zumindest fragwürdig. Zwar sagte Pornhub der Tech-Seite Motherboard, dass die Gesichter nur mit den Darstellern abgeglichen würden, die ohnehin in der Datenbank des Unternehmens erfasst sind. Aber es lässt sich nicht ausschließen, dass die Technologie bei Videos, auf denen Amateurdarsteller zu sehen sind, oder heimlich gedrehten Videos missbraucht werden könnte.

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Bisher ist es für Laiendarsteller recht einfach, in der Masse der fünf Millionen Videos unerkannt zu bleiben, wenn sie das wollen. Auf manchen Portalen ist es aber auch schon jetzt möglich, Pornodarsteller mit Hilfe von Fotos über eine Art Rückwärtssuche ausfindig zu machen. Und Pornhubs Gesichtserkennung gefährdet die Privatsphäre von weniger bekannten Pornodarstellern erst recht.

Neil Brown, Anwalt für Internetrecht, sagte Motherboard: "Wenn die Technologie auf nicht-professionelle Inhalte angewendet wird, ist die Möglichkeit eines Schadens erheblich höher." Das gelte besonders dann, wenn es möglich sei, die von Pornhub gesammelten Daten der Gesichtserkennung mit Fotos in sozialen Netzwerken zu vergleichen. Im schlimmsten Fall könnte ein Video einer Person ohne Einverständnis auf Pornhub hochgeladen werden und mit Hilfe der Datenbank mit dem entsprechenden Twitter- oder Facebook-Profil verknüpft werden.

Missbrauch der Gesichtserkennungs-App Find Face

Dass diese Sorge nicht abwegig ist, zeigte erst im vergangenen Jahr der Fall der russischen Gesichtserkennungs-App Find Face. Mit der App sollen Nutzer beliebige Menschen auf der Straße fotografieren können, um anschließend deren Profil in dem russischen Facebook-Äquivalent VKontakte zu finden.

Die Entwickler bewarben Find Face als Dating-App. Doch User des russischen, 4chan-ähnlichen Forums Dvach missbrauchten die App, um mit der Gesichtserkennung Darstellerinnen in Pornovideos auf VKontakte ausfindig zu machen. Dann schickten sie Fotos an Freunde und Familie der mutmaßlichen Darstellerinnen. Der Fall löste eine weltweite Diskussion über Datenschutz aus.

Mittlerweile arbeitet die Firma hinter Find Face offiziell mit der Stadt Moskau zusammen. Die Gesichtserkennungstechnologie des Unternehmens scannte im vergangenen Jahr die Videoaufnahmen von rund 160 000 Überwachungskameras in der russischen Hauptstadt. Sechs gesuchte Personen hätten dank der Technologie festgenommen werden können, sagte ein Regierungssprecher dem Tech-Portal The Verge. Mit welchem Entwickler Pornhub zusammenarbeitet, verrät das Unternehmen nicht.

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