Datenschutz Hunderttausende Kontonummern von Mitfahrgelegenheit.de-Kunden gestohlen

Kontodaten, Handynummern und E-Mail-Adressen von Mitfahrgelegenheits-Nutzern sind den Portalen abhanden gekommen.

(Foto: Florian Peljak)

Auch Zehntausende E-Mail-Adressen und Handynummern wurden kopiert. Was ehemalige Nutzer von Mitfahrgelegenheit.de und Mitfahrzentrale.de jetzt tun sollten.

Was ist passiert?

Eigentlich gibt es Mitfahrgelegenheit.de seit fast acht Monaten nicht mehr, trotzdem haben viele ehemalige Nutzer der Mitfahrzentrale jetzt ein Problem: Die Comuto Deutschland GmbH teilte mit, dass aus archivierten Daten ihrer ehemaligen Seiten Mitfahrgelegenheit.de und Mitfahrzentrale.de etwa 638 000 IBAN-Kontonummern, 101 000 E-Mail-Adressen und 15 000 Handynummern kopiert wurden. Die einzelnen Datensätze seien nicht miteinander verknüpft, heißt es in der Mitteilung. Falls zum Beispiel die E-Mail-Adresse gestohlen worden sei, ließen sich dadurch keine Rückschlüsse auf die Kontonummer des Betroffenen ziehen.

Betroffen seien etwa 15 Prozent aller ehemaligen Nutzer von Mitfahrgelegenheit.de und wenige Nutzer von Mitfahrzentrale.de. Nicht betroffen seien Nutzer von Blablacar, die auch von Comuto betrieben wird.

Ein Sprecher von Comuto sprach gegenüber SZ.de von einem "gezielten kriminellen Angriff". Er sei dem Unternehmen seit Ende Oktober bekannt. Warum das Unternehmen ihn erst jetzt publik macht, wollte Comuto nicht kommentieren, da die Ermittlungen noch liefen. In der Mitteilung auf der Webseite heißt es, dass bisher kein Missbrauch der Daten bekannt sei.

Wie konnte das passieren?

Comuto SA hat 2015 die carpooling.com GmbH übernommen, den Betreiber der Plattformen Mitfahrgelegenheit.de und Mitfahrzentrale.de. Beide Plattformen wurden am 31. März 2016 endgültig eingestellt. Nach eigenen Angaben wurden die Nutzerdaten aber nicht gelöscht, sondern in einem Cloud-System archiviert. Die personenbezogenen Daten sollten vollständig anonymisiert werden, "was einer Löschung gleichkommt", wie das Unternehmen in einer Stellungnahme schreibt. Weiter heißt es: "Aufgrund eines Fehlers" seien die Daten nicht vollständig anonymisiert worden.

Was können ehemalige Mitfahrgelegenheit.de-Nutzer jetzt tun?

Das Unternehmen hat eine kostenlose Hotline eingerichtet. Unter der Nummer 0800 32 32 555 können sich ehemalige Nutzer erkundigen, ob ihre IBAN-Nummer, E-Mail-Adresse oder Mobilnummer betroffen ist und was sie in diesem Fall tun können. Die Hotline ist von Montag bis Freitag zwischen 8 und 18 Uhr erreichbar. Ehemalige Nutzer von Mitfahrgelegenheit.de sollten in jedem Fall die Kontobewegungen der vergangenen sechs Wochen überprüfen und bei verdächtigen Abbuchungen sofort ihre Bank informieren, um weitere Hinweise zu erhalten und illegal abgebuchtes Geld zurückzubekommen, erklärt Comuto. Bei betroffenen E-Mail-Adressen oder Telefonnumern bestehe dagegen keine "unmittelbare Gefahr", diese könnten allerdings für unerwünschte Werbung genutzt werden.