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Datenschutz:Französische Kommission bestellt Facebook ein

Es klingt nach einem echten Datenschutz-Skandal: Facebook soll laut französischen Medien private Nachrichten auf den Profilen von Nutzern veröffentlicht haben. Das soziale Netzwerk dementiert die Berichte glaubhaft - und muss dennoch vor einer Kommission erscheinen.

Dirk von Gehlen

Das Bild vom drittgrößten Land der Erde, mit dem Facebook wegen seiner aktuell rund 955 Millionen Nutzer gern beschrieben wird, hat am Dienstag eine neue Facette bekommen. Fast wie die diplomatischen Vertreter anderer Staaten sollen sich Facebook-Manager vor einer unabhängigen Kommission zu dem äußern, was französische Zeitungen am Montag behauptet hatten: Private Botschaften, die vor dem Jahr 2009 für einen beschränkten Kreis geschrieben worden seien, stünden plötzlich für alle Nutzer dieses sozialen Netzwerks öffentlich sichtbar in der so genannten Timeline einiger Mitglieder.

Timeline beschreibt ein relativ neues Angebot von Facebook, das wie eine sehr detaillierte Pinnwand die Aktivitäten der Nutzer dokumentiert. Dieses Angebot ist in den vergangenen Tagen weltweit verpflichtend eingeführt worden. Dadurch sei es zu Missverständnissen bei den französischen Mitgliedern gekommen, die sich nun beschweren - so argumentiert Facebook. Die Botschaften, die jetzt in der Timeline angezeigt würden, seien auch vor dem Jahr 2009 nicht privat, sondern öffentlich sichtbar gewesen. Damals habe man dies aber nicht so eindeutig erkennen können.

Glaubwürdige amerikanische Branchenkenner bestätigen diese Einschätzung von Facebook und kühlten die Aufregung im Netz damit schnell ab. Auf diplomatischer Ebene hingegen bleibt die Frage, wie ein solches Missverständnis derartige Auswirkungen haben kann? Es waren zum einen die Zeitungen, die für Erregung sorgten. Aber sicher auch Facebook selbst - das Netzwerk ist bisher nicht gerade als Datenschützer aufgetreten.

© SZ vom 26.09.2012/pauk

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