Datenleck bei Enthüllungsplattform:Wikileaks attackiert Journalisten

Für die Enthüllungsplattform Wikileaks ist es ein Desaster, für ihre Quellen besteht große Gefahr: Geheime US-Botschaftsdepeschen kursieren im Internet - mitsamt den Namen von Informanten und dem nötigen Passwort. Die Organisation räumt das Leck ein, weist die Schuld aber anderen zu: Ein britischer Journalist habe den Zugangsschlüssel eigenmächtig veröffentlicht. Der weist die Vorwürfe als "Unsinn" zurück.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat Gerüchte über ein Datenleck bestätigt. In einer Stellungnahme im Internet beschuldigt die Organisation den Reporter David Leigh von der britischen Zeitung Guardian, ein Passwort zur Entschlüsselung von Archivdateien veröffentlicht zu haben. In diesem Archiv befänden sich noch unredigierte US-Diplomaten-Depeschen, die nun nicht mehr sicher seien.

Datenleck bei Enthüllungsplattform: Ein bereits vor Monaten veröffentlichtes Passwort ermöglicht offenbar den Zugang zu bislang unredigierten US-Depeschen auf der Enthüllungsplattform Wikileaks. In einer Stellungnahme wirft die Organisation dem britischen Reporter David Leigh vor, das Passwort ohne deren Erlaubnis publiziert zu haben.

Ein bereits vor Monaten veröffentlichtes Passwort ermöglicht offenbar den Zugang zu bislang unredigierten US-Depeschen auf der Enthüllungsplattform Wikileaks. In einer Stellungnahme wirft die Organisation dem britischen Reporter David Leigh vor, das Passwort ohne deren Erlaubnis publiziert zu haben.

(Foto: AFP)

In den Originaldokumenten, die im Internet kursieren, sind Namen von Informanten der US-Botschaften genannt, die teilweise auch sensible Informationen lieferten. Wikileaks hatte bei der Veröffentlichung von Botschaftsdokumenten bislang immer darauf geachtet, solche Angaben unkenntlich zu machen, um die betreffenden Personen nicht zu gefährden.

In ihrer Stellungnahme werfen die Wikileaks-Betreiber Leigh vor, er habe in seinem im Februar vom Guardian publizierten Buch über die Organisation "rücksichtslos und ohne Erlaubnis und im vollen Wissen das Entschlüsselungspasswort enthüllt". Man prüfe deshalb juristische Schritte "gegen den Guardian und eine Person in Deutschland, die das Passwort zum persönlichen Nutzen weiterverteilt hat". Das Wissen um das durchgesickerte Passwort habe sich über Monate verbreitet, so dass sich die Enthüllungsplattform nun zum Handeln gezwungen sehe.

Sowohl Leigh als auch der Guardian bestreiten die Anschuldigungen. Die von ihm veröffentlichten Informationen seien veraltet und harmlos gewesen, sagte der Reporter. Der Nachrichtenagentur AP sagte Leigh, Wikileaks-Gründer Julian Assange habe ihm im Juli 2010 ein Passwort gegeben, um auf einem Server Zugang zu den Depeschen-Dateien zu erhalten. Assange habe ihm aber versichert, dass die Seite innerhalb von Stunden gelöscht werde.

Der Guardian bestätige Leighs Version: "Es ist Unsinn zu behaupten, dass das Wikileaks-Buch des Guardian in irgendeiner Weise die Sicherheit gefährdet hat", erklärte die britische Zeitung. In dem Buch sei zwar ein Passwort genannt worden, "uns wurde aber gesagt, dass es ein zeitlich begrenztes Passwort sei, das verfallen und binnen Stunden gelöscht werde".

In seiner Mitteilung erklärt Wikileaks zwar nicht, wie es dazu kam, dass die Datei noch online war - verspricht aber die Angelegenheit aufzuklären. "Jetzt, da die Verbindung von anderen öffentlich gemacht wurde, können wir erklären, was passiert ist und was wir vorhaben", teilte die Gruppe mit.

Zuvor hatte der Gründer der Enthüllungsplattform, Julian Assange, bereits dem deutschen Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg über einen Anwalt den Bruch von Absprachen und Selbstverpflichtungen sowie "ein gesteigertes Maß an Niedertracht" vorgeworfen. Er habe Journalisten Hinweise zur Öffnung der verschlüsselten Dateien gegeben, hieß es in einem Schreiben des Anwalts.

Die US-Regierung hatte Wikileaks vorgeworfen, mit der Veröffentlichung Tausender neuer Dokumente Menschenleben zu gefährden. Der australische Generalstaatsanwalt beklagte, die Organisation gehe verantwortungslos mit ihren Quellen um.

Wikileaks betonte jedoch in der Stellungnahme, man habe versucht, das US-Außenministerium zu warnen. Die Enthüllung des gesamten unredigierten Archivs könne ernsthafte Konsequenzen für Informanten, Aktivisten und andere in den Depeschen erwähnte Personen haben.

© dpad/dpa/bero/mikö
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