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Razzia:"Größter Darknet-Marktplatz der Welt" geschlossen

Darknet: Banner der Staatsanwaltschaft auf Handelsseite "Darkmarket"

Mit diesem Banner begrüßt die Staatsanwaltschaft Besucher der Seite "Darkmarket" im Darknet.

(Foto: Screenshot)

Die Polizei nimmt den mutmaßlichen Betreiber von "Darkmarket" nahe der deutsch-dänischen Grenze fest. Auf dem Marktplatz sollen Drogen und andere illegale Dinge im Wert von 140 Millionen Euro gehandelt worden sein.

Von Max Muth

Am vergangenen Samstag war die Welt der Administratoren des Online-Drogenmarktplatzes "Darkmarket" noch in Ordnung. Es gab etwas zu feiern. Einer der Manager der Seite schrieb in einem Diskussionsforum: "Wir haben 500 000 User erreicht. Im Namen des gesamten Teams wollen wir uns für eure Unterstützung bedanken." Kunden beglückwünschten die Administratoren und bedankten sich ihrerseits.

Doch auch Polizisten lasen mit. Nur einen Tag später nahmen Beamte den mutmaßlichen Betreiber der Seite, einen 34-jährigen Australier, nahe der deutsch-dänischen Grenze fest. Am Montag übernahm die Staatsanwaltschaft Koblenz die Darknet-Seite und schaltete die Server ab.

Wer die Seite im Darknet - jenem Teil des Internets, in dem man sich anonym bewegen kann - am Dienstag ansteuerte, sah nur noch ein Beschlagnahmungs-Banner der Staatsanwaltschaft - in diesem Fall ihrerseits mit einer Botschaft an die Kriminellen: Auf der rechten Seite des Banners platzierten die Ermittler eine Fliegenklatsche, die eine lila-schwarze Fliege trifft. Die Fliege war das Logo des Marktplatzes, auf dem Drogen, Falschgeld, gestohlene oder gefälschte Kreditkartendaten, anonyme Sim-Karten und Schadsoftware angeboten wurden.

Darkmarket

Gruß der Polizei an die Kunden des Marktplatzes: Die Fliege, die hier zerschlagen wird, war das Logo der Plattform "Darkmarket".

(Foto: Screenshot)

Die Stellungnahme der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz ist etwas nüchterner. Sie spricht von einem "großen Ermittlungserfolg" im Kampf gegen illegale Märkte im Darknet. Darkmarket sei die "vermutlich größte derartige Seite im Netz" gewesen. Über den Marktplatz seien mindestens 320 000 Geschäfte abgewickelt worden, mehr als 4650 Bitcoin sowie 12 800 Monero - beides sind digitale Währungen - hätten den Besitzer gewechselt. Das entspricht bei aktuellen Kursen einer Summe von rund 140 Millionen Euro.

Schuld war der Cyberbunker - dort fanden Ermittler die Darkmarket-Daten

Wie so oft hat auch bei den Ermittlungen zu Darkmarket eine breite internationale Koalition von Strafverfolgern zusammengearbeitet. Neben Behörden aus den USA und Australien waren auch die Polizei in Dänemark, den Niederlanden, Moldawien und der Ukraine beteiligt. In den beiden osteuropäischen Ländern stand offenbar ein Teil der Server-Infrastruktur der Kriminellen. Sie wurde von den Ermittlern sichergestellt. Für Hunderttausende Kunden und etwa 2400 Verkäufer der Plattform ist das keine gute Nachricht.

Auf dem Diskussionsforum im Darkweb diskutieren Kunden, ob sie sich nun Sorgen machen müssen. Jörg Angerer, zuständiger Staatsanwalt der Landeszentralstelle Cybercrime, sagt: Ja. "Wenn wir die Daten haben, und das ist hier der Fall, dann haben wir eine Chance, auch Käufer zu finden. Es sei denn, die Käufer haben keinen einzigen Fehler gemacht." Das ist äußerst selten der Fall, wie die Geschichte der Darknet-Märkte lehrt. Allerdings habe die Staatsanwaltschaft noch eine Menge Arbeit vor sich, sagt Angerer. Die Daten auf den Servern müssen zuerst entschlüsselt werden, was viel Zeit braucht.

Ermittelt hatte die Staatsanwaltschaft seit Mitte Mai 2020. Der Hinweis auf den illegalen Marktplatz stammte dabei aus einem anderen Verfahren. Darkmarket hatte seine Daten zeitweise beim sogenannten Cyberbunker in Traben-Trarbach gespeichert. Die Betreiber des ehemaligen Nato-Bunkers waren im September 2019 festgenommen wurden und stehen derzeit in Trier vor Gericht.

In einem Darknet-Forum bedauern derweil viele das Aus für Darkmarket. In einem Beitrag, der sich wie eine Todesanzeige liest, sammeln sich Beileidsbekundungen. Einer schreibt: "Wir werden dich nicht vergessen, danke für alles."

© SZ/jab/mri
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