Cyber-Sicherheit:Al-Qaida ruft zu "elektronischem Jihad" auf

In einem Video fordert Al-Qaida seine Anhänger auf, Cyberattacken gegen die USA auszuführen. Amerikanische Sicherheitspolitiker fühlen sich bestätigt und fordern bessere Sicherheitskonzepte. Doch kann die Terror-Organisation wirklich komplexe digitale Angriffe starten?

Al-Qaida hält die USA weiterhin für verwundbar - und zwar im digitalen Bereich. Dies ist der Schluss, den offenbar ein Video zulässt, das amerikanische Politiker in einer Anhörung im Senatsausschuss für Heimaschutz und Regierungsangelegenheiten zu sehen bekamen.

In dem Propaganda-Clip, so berichtet der Fernsehsender ABC, werden "verborgene Mujahedin" dazu aufgerufen, Cyberattacken gegen die USA und andere westliche Länder vorzubereiten, so zum Beispiel gegen Regierungsnetzwerke sowie kritische Infrastrukturen wie das Stromnetz.

Über die Computernetze sei das Land so verwundbar wie bei der Flughafensicherheit vor 2001. "Elektronische Kriegsfährung ist einer der wichtigen und effektiven Kriege der Zukunft", heißt es laut einer Übersetzung.

Das Video ist nicht neu, sondern wurde im vergangenen Jahr vom FBI sichergestellt und nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Der US-Kongress debattiert derzeit über neue Gesetzgebungen zur Cybersicherheit. Dabei geht es neben Sicherheitsstandards und dem Austausch von Informationen bei Cyberattacken auch um viel Geld: In diesem Jahr werden Pentagon und andere US-Behörden insgesamt 10 Milliarden Dollar für Cybersicherheit ausgeben, alleine der Anteil des Pentagons soll Schätzungen zufolge bis 2016 auf 13 Milliarden Dollar wachsen.

Hardliner sehen sich bestätigt

Das wirkliche Ausmaß der Bedrohung durch Al-Qaida ist schwer abzuschätzen. Bereits nach der Tötung Osama Bin Ladens hatten westliche Sicherheitsexperten über einen digitalen Vergeltungsschlag der Organisation spekuliert. Dass es ruhig blieb, könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Verhaftungen von Al-Qaida-Computerexperten in den vergangenen Jahren die Vereinigung auf diesem Feld stark geschwächt haben. Da allerdings theoretisch jeder islamistische Aktivist unter der Terror-Marke auftreten kann, ist es praktisch unmöglich, Prognosen über die IT-Fähigkeiten der Gruppe zu treffen.

Zumindest die sicherheitspolitischen Hardliner in den USA fühlen sich durch das Video bestätigt: "Der Kongress muss jetzt handeln, um die amerikanische Öffentlichkeit vor einer möglicherweise folgenschwere Attacke auf Stromnetz, Wasserversorgung oder die Finanznetze zu beschützen", sagte der unabhängige Senator Joe Lieberman.

Glaubt man amerikanischen Medien, haben die USA im Konflikt mit Al-Qaida ihrerseits begonnen, digitale Kanäle zur Sabotage der Organisation zu nutzen. Anfang April verschwanden in kurzen Abständen zwischenzeitlich insgesamt sechs Internetforen für den Austausch islamistischer Propaganda und Al-Qaida-Informationen aus dem Netz.

Die koordinierte Cyberattacke, die dazu führte, könnte von den USA ausgeführt worden sein, heißt es in verschiedenen Berichten. Allerdings wären auch Frankreich, Israel und Großbritannien zu solchen Angriffen in der Lage. Die US-Behörden bestreiten, für den Ausfall verantwortlich zu sein.

© Süddeutsche.de/joku/mri
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