bedeckt München 15°

Coronavirus in Deutschland:Fake News über Whatsapp

Desinformation und Abzocke: Coronavirus-Spam greift um sich

Falsche Gerüchte über das Coronavirus, die über Whatsapp und soziale Medien verbreitet werden, können auch Kriminellen den Boden bereiten.

(Foto: dpa-tmn)
  • Über Messengerdienste und soziale Medien verbreiten sich Falschnachrichten zum Coronavirus.
  • Das schürt nicht nur Ängste in der Bevölkerung, sondern heizt vor allem den fragwürdigen Trend zu Hamsterkäufen an.
  • Die falschen Gerüchte können auch Kriminellen den Boden bereiten, die Passwörter abgreifen wollen.

Von Kristiana Ludwig, Berlin

Am Samstagmittag musste die Supermarktkette Aldi Süd reagieren, mit einer Facebook-Botschaft an die Kunden. Alle Filialen blieben "selbstverständlich für euch weiterhin geöffnet, um euch Produkte des täglichen Bedarfs anbieten zu können", heißt es darin. Zuvor war eine Sprachnachricht auf Whatsapp kursiert, in der eine angebliche Mitarbeiterin zu Hamsterkäufen aufruft. Alle Märkte würden schließen, behauptet die Stimme: "Manuela, es ist jetzt wirklich ernst".

Nicht erst seit am Freitag Schulschließungen und Veranstaltungsverbote verordnet wurden, verbreiten sich über Messengerdienste und soziale Medien Falschnachrichten über das Coronavirus. Das Bundesgesundheitsministerium dementierte Gerüchte, nach denen die Bundesregierung bald "massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens" ankündigen würde: "Das stimmt NICHT!", schrieb das Ministerium auf Twitter, und: "Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen." Die Bürger sollten sich auf die Informationen der Behörden verlassen.

Kurz danach reagierte das Ministerium wieder auf eine Nachricht. Ibuprofen erhöhe das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, hieß es da, als Quelle wurde die Wiener Uniklinik genannt. Das seien "Fake News", stellte das Klinikum klar, auch das Bundesgesundheitsministerium dementierte. Für den Verlauf der Erkrankung nach einer Infektion will Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin einen möglichen Einfluss der Wirkstoffe Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und Diclofenac allerdings nicht ganz ausschließen. "Ibuprofen hemmt die Blutgerinnung, das wäre ein möglicher Hinweis", sagte der Virologe. Damit steige die Gefahr innerer Blutungen. "Bei Paracetamol ist das nicht der Fall."

Falschnachrichten und Halbwahrheiten schüren nicht nur Ängste in der Bevölkerung vor der Krankheit, sie heizen vor allem den fragwürdigen Trend zu Hamsterkäufe von Klopapier, Nudeln und Konserven an. So verbreitet sich neben der Aldi-Sprachnachricht zurzeit ein angeblicher Screenshot, laut dem sich "die größten Supermarktketten" abgesprochen hätten, ab Montagvormittag ihre Läden zu schließen. Auch wegen solcher Irreführungen war der Ansturm auf die Lebensmittelläden bereits so groß, dass einige Märkte Einkaufsregeln verhängten, etwa: "Nur zwei Packungen Toilettenpapier pro Person". Die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) versicherten, es gebe keine Versorgungsengpässe - Hamsterkäufe sollten deshalb vermieden werden.

Die falschen Gerüchte können auch Kriminellen den Boden bereiten. Das zeigt eine Meldung aus der Schweiz, wonach Unbekannte in den vergangenen Tagen E-Mails mit dem gefälschten Absender "Bundesamt für Gesundheit" verschickten, in denen behauptet wurde, der Staat wolle Daten erheben - dabei ging es darum, Passwörter abzugreifen. Die Berliner Polizei warnte vor einem neuen Enkeltrick: Betrüger würden in diesen Tagen bei älteren Menschen anrufen und sich als Angehörige ausgeben, die sich mit dem Coronavirus infiziert hätten, im Krankenhaus liegen und nun dringend Geld für teure Medikamente bräuchten.

Aktuelles zum Coronavirus - zweimal täglich per Mail oder Push-Nachricht

Alle Meldungen zur aktuellen Lage in Deutschland und weltweit sowie die wichtigsten Nachrichten des Tages - zweimal täglich mit SZ Espresso. Unser Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Kostenlose Anmeldung: sz.de/espresso. In unserer Nachrichten-App (hier herunterladen) können Sie den Espresso oder Eilmeldungen auch als Push-Nachricht abonnieren.

Während seriöse Medien zurzeit versuchen, für Aufklärung zu sorgen, fälschen Betrüger immer wieder die Optik der etablierten Medienseiten, um über angebliche Infizierte oder Anordnungen wie eine angebliche "Mundschutzpflicht" zu berichten - auch die der Süddeutschen Zeitung. Zu den Falschnachrichten gehört etwa ein Hinweis, nach dem man sich gegen eine Corona-Infektion schütze, wenn man nur permanent Wasser trinke. Auch unter Berliner Journalisten machte eine gefälschte Whatsapp-Nachricht die Runde, der Gesundheitsminister wolle kurzfristig neue, rigide Maßnahmen verkünden.

Experten raten dazu, gerade in dieser unübersichtlichen Zeit erst sorgfältig den Ursprung von Nachrichten in sozialen Medien oder Messengern wie Whatsapp zu überprüfen und auf den Originalseiten der Medien und Behörden nachzuschauen, bevor man sie teilt. Screenshots lassen sich leicht fälschen.

© SZ vom 16.03.2020/fie
Innenstadt von Hannover

Coronavirus in Deutschland
:Niedersachsen: Schweden-Rückkehrer müssen in Quarantäne

Zwischenzeitlich waren die Quarantäne-Regelung für Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehren, gelockert worden. Nun hat die Regierung in Hannover sie wieder verschärft.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite