bedeckt München 22°

Ausgangsbeschränkungen wegen Covid-19:Wie sich die Straßen leerten

Coronavirus - M¸nchen

In München und vielen anderen Städten ist derzeit wenig los: Die sonst stark frequentierte Ludwigstrasse in der Innenstadt ist fast menschenleer.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Seit Mitte März nutzen die Münchner viel seltener Karten-Apps, zeigen Zahlen von Apple-Mobilgeräten. Die Grafik zeigt die Kurve im Vergleich zu Mailand und London.

Die Pandemie hält die Münchner von den Straßen fern. Sie laufen und fahren nicht einmal mehr halb so oft durch die Stadt wie noch im Januar. Das geht aus Daten hervor, die Apple am Dienstagabend veröffentlicht hat. Sie basieren auf der Zahl der Anfragen, die Nutzer an "Apple Maps" stellten, die Karten-App des Konzerns.

Demnach ging die Zahl der Anfragen nach Wegbeschreibungen für Fußgänger und Autofahrer in München seit Mitte März jeweils um mehr die Hälfte zurück.

Die SZ-Grafik zeigt, wie die Zahl der Suchen am 13. März zum ersten Mal abstürzt. Einen Tag zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, Kontakte zueinander möglichst zu vermeiden.

Den Tiefpunkt erreichte das Aufkommen am 21. März: einen Rückgang von mehr als 80 Prozent im Vergleich zum 13. Januar bei den Fußgängern. Für Autofahrer betrug der Rückgang an diesem Tag fast 79 Prozent. Einen Tag zuvor, am 20. März, hatte Ministerpräsident Markus Söder die Ausgangsbeschränkungen für Bayern verkündet. So zurückhaltend blieben die Münchner nach dem ersten Schock aber nicht lange. In den vergangenen Tagen stiegen die Werte wieder an, was möglicherweise am guten Wetter lag. Apple erklärte, das Unternehmen wolle die Daten nicht interpretieren. Sie seien für Kommunen und Gesundheitsbehörden gedacht.

Das Unternehmen zählte die Anfragen an seinen Kartendienst für Dutzende Städte, Länder und Regionen zusammen und verglich sie über den Zeitraum von Januar bis zum 13. April. Die Daten geben grobe Trends wieder. Eingeschränkt wird ihre Aussagekraft dadurch, dass nur Nutzer von iPhones und Apple Watches erfasst wurden. Apple-Nutzer sind im Durchschnitt wohlhabender, die Daten also nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Hinzu kommt, dass viele iPhone-Nutzer lieber die Karten-App von Google nutzen, ihre Daten also in Apples Statistik fehlen. Das Unternehmen gibt an, dass die Daten ausgewertet wurden, ohne einzelne Nutzer zu identifizieren.

Auffällig ist, wie sich die Kurven von Land zu Land unterscheiden. In ganz Deutschland gingen die Anfragen Apple zufolge um 46 Prozent zurück, verglichen mit dem 13. Januar. In Italien waren es dagegen fast 80 Prozent.

In München ist der Einbruch denn auch deutlich schwächer als etwa in Mailand, schließlich ist das Leben in Italien deutlich stärker eingeschränkt worden. In Mailand gingen die Anfragen für Fußgänger um 89 Prozent zurück, die für Autofahrer um 85 Prozent. In London betrug der Rückgang im Vergleich zu Mitte Januar 65 Prozent (für Fußgänger) beziehungsweise 57 Prozent (für Autofahrer).

Auffällig ist, dass die Kurve in München und der britischen Hauptstadt erst am 13. März abfällt, also drei Wochen später als in Mailand. Die Verantwortlichen der Länder erließen ihre Regeln für das öffentliche Leben in deutlichem Abstand zueinander.

Ohne Corona-Pandemie wären die Zahlen von Januar bis April wohl deutlich gestiegen, da Menschen mit dem Ende des Winters vermehrt draußen unterwegs sind. Ein leichter Anstieg ist dementsprechend noch in den Daten zwischen 23. Januar und dem Beginn der Krise zu erkennen. Der virusbedingte Rückgang der Mobilität dürfte also noch stärker ausfallen als die Zahlen suggerieren.

Für einige Orte erfasst Apple auch Anfragen nach Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, für Städte wie München fehlen diese Daten aber.

Auch Google veröffentlichte vor einer Woche Mobilitätsdaten, für die das Unternehmen Informationen über die Standorte von Menschen mit Android-Smartphones auswertete. Diese verbrachten in Bayern demnach zwei Drittel weniger Zeit in Geschäften als im Januar und Februar und fast 40 Prozent weniger am Arbeitsplatz. Dafür hielten sie sich zehn Prozent länger an Orten auf, die Google als Wohnhäuser erfasst hat. Bis auf Stadtebene schlüsselte Google die Daten im Gegensatz zu Apple nicht auf.

© SZ.de/chen/mxm/mri
A test tube with fake blood and COVID-19 label and a 3D printed Google logo

Apple und Google
:Der Anti-Corona-Plan der Erzrivalen

Die Konkurrenten Apple und Google wollen in der Corona-Krise ausnahmsweise zusammenarbeiten. Sie behaupten, sie könnten Corona-Kontakte nachverfolgen, ohne Nutzern die Privatsphäre zu nehmen.

Von Simon Hurtz und Max Muth

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite