Copyright-Debatte Frage 5: Wie wollen wir's dann machen?

Seit Jahren beklagen Juristen einen Legitimationsverlust des Urheberrechts, dieser wird durch eine unverhältnismäßig sanktionierte Durchsetzungspolitik noch verstärkt - das zeigen alle Erfahrungen seit der Schließung der ersten großen Tauschbörse Napster, die das Problem ja auch nicht gelöst hat.

Denn "das geistige Eigentum ist besonders darauf angewiesen, dass es von der Bevölkerung akzeptiert wird", erklärt der in Hannover tätige Jura-Professor Axel Metzger und weist darauf hin, "dass rechtliche Regeln nicht nur vor Gerichten durchgesetzt werden, sondern vor allen Dingen dadurch Realität sind, dass die Menschen, die Regelungen akzeptieren." Wenn diese Einsicht schwindet, so Metzger, ist dies "der größte Schaden, den die Kreativen am Ende davontragen werden".

Soll man also tatenlos zusehen, wie das Internet gesellschaftliche Realitäten schafft? Natürlich nicht. Man muss aber - wie schon bei anderen technologischen Neuerungen zuvor - zu der Einsicht gelangen, dass neue Realitäten andere Wege verlangen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen, für das die Unterzeichner des "Wir sind die Urheber"-Aufrufs einstehen: "Das Urheberrecht ermöglicht, dass wir Künstler und Autoren von unserer Arbeit leben können."

Es geht aber nicht nur um die Frage des Ermöglichens - sondern viel drängender um die Frage der praktischen Umsetzung. Wer dieses Ziel erreichen will, muss dafür auch Wege benennen können, die das Dilemma zwischen Wunsch und Realität auflösen.

Axel Metzger fordert deshalb, die digitale Kopie als gegeben zu akzeptieren und Lösungen mit ihr zu finden, nicht gegen sie: "Bevor die Akzeptanz des Urheberrechts bei der Generation der 15- bis 30-Jährigen völlig verloren geht, lasst uns Druck aus dem System rauslassen, das Ventil muss geöffnet werden, es müssen Pauschalvergütungssysteme her!"

Derartige Vorschläge wie die sogenannte Kulturflatrate oder das vom Lüneburger Professor Volker Grassmuck vorgeschlagene Tauschlizenz-Modell haben ihre Schwächen. Sie haben aber eine unschlagbare Stärke: Sie lösen den Grundkonflikt, der aus den Möglichkeiten der digitalen Kopie erwächst.

Das private, nichtkommerzielle Kopieren von urheberrechtlich geschützten Werken wird durch eine pauschale Abgabe, die monatlich über den Netzanbieter eingezogen wird, entkriminalisiert. Das ist nicht neu. Bei der Kassettenkopie hatte man sich einst zu einer ähnlichen Lösung durchgerungen, es wäre aber der erste wichtige Schritt, um den Kulturkampf zu befrieden und gemeinsam an konstruktiven Lösungen zu arbeiten, die der zunehmenden Digitalisierung angemessen sind.

Wenn die Gesellschaft nicht selbst aktiv nach diesen Antworten sucht, werden kommerzielle Unternehmen uns Lösungen präsentieren, bei denen sicher nicht der gerechte Ausgleich unterschiedlicher Gruppen im Vordergrund steht.