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Copyright-Debatte:Frage 2: Welche Strafe ist angemessen?

Dennoch wird ein besserer Schutz kreativer Inhalte im Netz bisher einzig über die Einführung (noch) höherer Strafen diskutiert. Schon heute werden jährlich bis zu 700.000 Abmahnungen verschickt, um Menschen juristisch daran zu hindern, was das Netz ihnen ermöglicht: zu privaten Zwecken zu kopieren.

In Berlin überlegt man, diese Drohkulisse weiter zu verdunkeln. Parlamentarier lassen sich über das sogenannte Three-Strikes-Modell informieren, das bei wiederholtem Urheberrechtsverstoß die Sperrung des Netzzugangs vorsieht. Übertragen auf das häufig genutzte (aber im Kern falsche) Bild, wonach das Kopieren mit dem Stehlen im Supermarkt verglichen wird, bedeutet dies: Wer beim Diebstahl einer Packung Kaugummi erwischt wird, kann mit einer Art Bann belegt werden. Er wird für die Dauer von drei Monaten oder länger aus der digitalen Gemeinschaft ausgeschlossen.

Der Musiker Jan Delay hat die gängige Praxis der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen unlängst in einem Spiegel-Gespräch als "windiges Geschäftsmodell" bezeichnet und mit dem Schlag "in die Fresse" verglichen. Er wirft damit die Frage der Verhältnismäßigkeit auf: Stehen Strafe und Vergehen tatsächlich in einem angemessenen Verhältnis?