Computerspielpreis 2016:"Endlich gewinnt ein Spiel, bei dem man ein Schwert in der Hand hält"

Gewinner des Abends ist das polnische Rollenspiel "The Witcher 3: The Wild Hunt". Obwohl das düstere Game ohne Jugendfreigabe nicht aus Deutschland kommt und deshalb von allen mit Geld dotierten Kategorien ausgeschlossen ist, holt es drei Preise: bestes internationales Spiel, beste internationale Spielwelt und den Publikumspreis. "Schön, dass endlich mal ein Spiel gewinnt, in dem man ein Schwert in der Hand hält", sagt der Youtuber Florian Mundt alias LeFloid, Laudator auf der Verleihung. Das ist ein kleiner Sieg für die Gaming-Szene - der Computerspielpreis war verschrien, in der Vergangenheit hauptsächlich pädagogisch wertvolle, dafür aber nicht massentaugliche Titel auszuzeichnen. Die Folge: Bisher hat kaum jemand aus der Gaming-Szene den Preis ernst genommen.

Das ist jetzt anders, der Preis dieses Jahr ist liberaler. 2012 wetterten CSU und CDU noch gegen die Auszeichnung des Ego-Shooters "Crysis 2". 2016 reichen als Voraussetzungen für eine Bewerbung die "Sicherstellung des Jugendschutzes" und "Spielspaß und Unterhaltung". Das heißt: Beinahe jedes Computerspiel, das zu 80 Prozent oder mehr in Deutschland hergestellt oder entwickelt wird, kann sich bewerben.

Bestes deutsches Spiel des Jahres ist "Anno 2205", der siebte Teil der beliebten Wirtschaftssimulations-Reihe gewinnt 100 000 Euro. Auch zwei Münchner Entwicklerteams werden ausgezeichnet: Das Spiel "Cubiverse", entwickelt von neun Studenten der Media Design Hochschule, hat das beste Nachwuchskonzept. In dem iPad-Spiel muss der Spieler Rätsel nach dem Rubik's-Cube-Prinzip lösen. "Shift Happens" aus dem Münchner Studio Klonk wurde von der Jury zum besten Kinderspiel gewählt und für das beste Gamedesign ausgezeichnet. In dem Jump-and-Run-Spiel steuern zwei Spieler die Blob-Wesen "Bismo" und "Plom". Ein bisschen gegenseitig ärgern dürfen sich die Spieler dabei, aber vor allem müssen sie kooperieren. Pädagogisch also einwandfrei, das Spiel. Auch in der Hauptkategorie nominiert, musste sich das Kinderspiel nur "Anno 2205" geschlagen geben.

Kritik am Preis will an diesem Abend keiner so recht äußern: "Es ist halt ein Förderpreis", sagt Peter Smits von der Youtuber-Combo PietSmiet, "Förderung ist immer eine geile Sache." LeFloid wünscht sich "weniger Politik, mehr Games" für die künftigen Preisverleihungen. "Man erkennt, dass von den Politikern tatsächlich die Bemühung da ist", sagt Preisträger Oliver Machek von Klonk. "Es sickert so langsam durch."

Der Computerspielpreis zeigt immerhin, dass sich die Politik auf die Gaming-Szene zubewegt. In den Worten Aigners: "Die Generation Game steht vor der Tür." Dabei ist sie doch eigentlich längst drin.

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