Computerspielpreis 2016: Wenn Dobrindt mit Transformern schmust

Verleihung des Deutschen Computerspielpreises

Verleihung des Deutschen Computerspielpreises Der Bundesminister für digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt (CSU), die parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU) und eine Darstellerin im Kostüm der Transformers-Figur Arcee in München.

(Foto: dpa)
  • Der achte Deutsche Computerspielpreis zeigt, dass sich Gaming-Szene und Politik langsam aufeinander zubewegen.
  • Das Rollenspiel "The Witcher 3: The Wild Hunt" gewinnt in drei von 14 Kategorien.
  • Auch zwei Spiele aus München räumen ab, Spiel des Jahres ist ein alter Bekannter.

Von Caspar von Au

Darth Vader posiert geduldig für Fotos. Ein zwei Meter hoher Super Mario wackelt über den blauen Teppich. Lara Croft und Snake, der Held des Computerspiels Metal Gear Solid mit Augenklappe, Armprothese und Knarre, beäugen aus sicherer Distanz die nahenden Politiker. Denn die sind gekommen, um zu schmusen.

Zum achten Mal wird der Deutsche Computerspielpreis am Donnerstagabend in der BMW-Welt in München verliehen. Mit dabei sind die Staatssekretärin und Präsidentin der Jury, Dorothee Bär, Bundesdigitalminister Alexander Dobrindt und die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (alle CSU).

Die Fotografen knipsen drauf los, als sich Bär und Dobrindt vor der Preisverleihung von einem pinken Transformer in den Arm nehmen lassen. In den Kostümen stecken sogenannte Cosplayer, die zu Gaming-Events dazugehören wie die Boxenluder zum Motorsport. Hier, kurz vor Beginn der Verleihung, trifft die Welt der Politik das erste Mal an diesem Abend auf die Welt der Games, mit der sie seit langem fremdelt.

Die Gamerin Bär spielt mit dem Publikum

Der Computerspielpreis wird von Dobrindts Ministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur, dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) und "GAME", dem Bundesverband der deutschen Games-Branche, ausgerichtet. "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gamer", eröffnet Dobrindt die Veranstaltung. Das klingt ein wenig nach einem angeblichen Heinrich-Lübke-Zitat. Der Minister lobt die Gamer als "Innovationstreiber" für Deutschland, berichtet von seiner eigenen Leidenschaft zu Mario Kart und floskelt drauf los: "Computerspiele sind in der Mitte der Gesellschaft positioniert." Und: "Gamer sind das Epizentrum der Digitalisierung." Das klingt ein bisschen nach Naturkatastrophe.

Vor allem Dobrindt und Aigner irritieren mit ihren teilweise unbeholfenen Aussagen immer wieder. Aigner schaut ungläubig von ihrem Blatt hoch, als sie selbst Computerspiele als das neue "Leitmedium" bezeichnet. Die selbsternannte "leidenschaftliche Gamerin" Dorothee Bär tut sich leichter: Sie scherzt, spielt mit dem Publikum und wirkt dabei weniger aufgesetzt. Der Aufeinanderprall der Kulturen - Gamer und Politiker - er fällt dann doch weniger heftig aus als früher.

Dem Deutschen Computerspielpreis geht es nach Aussage der Ausrichter darum, die "Entwicklung qualitativ hochwertiger Spiele made in Germany" zu fördern. Dazu haben sie 470 000 Euro Preisgeld in 14 Kategorien ausgelobt, so viel wie noch nie. Dobrindt verspricht, dass es 2017 noch einmal mehr sein werde. Der Preis wächst mit der Gaming-Branche, und die boomt.

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