Computerspielmarkt im Wandel Nachwuchstalente sind gefragt

Als letzte der Kreativ-Branchen gerät die Spieleindustrie nach der Musik- und der Filmindustrie nun in den Sog der Veränderungen, die vom Internet ausgehen. Nicht nur werden viele Spiele nicht mehr in einer bunten Schachtel im Laden gekauft, sondern als Datei über das Netz heruntergeladen. Viele, die früher gar keine andere Möglichkeit hatten, als sich einen Datenträger mit einem Spiel zu kaufen (dazu einen PC oder eine Konsole), können nun gleich ganz online spielen. Dazu taugt inzwischen nahezu jeder PC oder Laptop, für viele der Angebote tut es sogar ein Smartphone oder ein Tablet-PC wie Apples iPad.

Gamescom in Köln

Videospiele werden Kulturgut

Das zeigt sich längst an den Absatzzahlen: In Deutschland fiel der Umsatz mit Spielen für Konsolen wie Sonys Playstation oder Microsofts Xbox im ersten Halbjahr 2012 um sieben Prozent auf 300 Millionen Euro, wie der BIU mitteilte. Bei den Spielen für mobile Geräte stieg er dagegen um 40 Prozent auf 20,4 Millionen Euro an. Verdient wird bei mobilen Spielen entweder durch Werbung, durch Zugangsgebühren oder indem virtuelle Zusatzinhalte verkauft werden - etwa ein besseres Schwert für den Gladiator.

Gespielt jedenfalls wird nach wie vor mit Begeisterung: Bei den 14- bis 29-Jährigen beschäftigt sich einer Emnid-Studie zur Gamescom zufolge mehr als jeder Dritte regelmäßig mit Computerspielen. Besonders beliebt sind in Deutschland Strategiespiele wie die Anno-Reihe.

Anno 1602, das maßgeblich von der deutschen Firma Sunflowers entwickelt wurde, verkaufte sich bis zum Jahr 2002 bereits zwei Millionen Mal und war damals das meistverkaufte Spiel, das je in Deutschland entstanden war. Auch die Nachfolger waren sehr erfolgreich. Es geht dabei darum, unbewohnte Inseln oder gar Welten zu besiedeln und so zu wirtschaften, dass die Bevölkerung wächst und gedeiht.

Noch immer spielen überwiegend Männer Ballerspiele

Actionspieler und sogenannte Shooter rangieren erst auf Platz drei, knapp hinter Abenteuerspielen und knapp vor Sportsimulationen. Auch Frauen spielen sogenannte Ballerspiele, sind dabei aber gegenüber männlichen Spielern klar in der Minderheit. 44 Prozent der Männer lieben Umfragen zufolge solche Spiele, aber nur 16 Prozent der Frauen.

Viele Hersteller, darunter auch Größen wie Microsoft, Nintendo, THQ oder Sega, sind zwar dieses Jahr der Gamescom ferngeblieben. Dennoch gilt die Messe als einer der wichtigsten Gradmesser dafür, wohin der Trend bei den Spielern geht. All die Helden, Bösewichter und Monster, die waffenstarrenden Kämpfer wie die wohlgeformte Amazone Lara Croft, kämpfen nicht bloß gegen ihre Gegner im Spiel, sondern auch um die Aufmerksamkeit der Käufer - für die große Weihnachtsschlacht.