Süddeutsche Zeitung

Computerspiele am Arbeitsplatz:Spiel, Spaß, Entspannung

Stehen Computerspiele bislang im Ruf doof, oder gar gewalttätig zu machen, betont eine neue Studie ihre positiven Effekte: Daddeln entspannt - vor allem im Büro.

Für die einen sind Computerspiele wichtiges, zu förderndes Kulturgut. Für die anderen sind FarCry, die Sims oder das Moorhuhn schlicht Teufelzeug, das es aus den Wohnstuben zu verbannen gilt.

Eine gelassenere Sicht auf die Nutzung von Computerspielen legt eine neue Studie der Hamburg Media School nahe: Daddeln entspannt - und das vor allem am Arbeitsplatz.

Die Hamburger Psychologen befragten mehr als 1000 Nutzer zweier Games-Portale im Internet. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie häufig Computerspiele am Arbeitsplatz eingesetzt werden und welche Faktoren die Nutzung von Spielen während der Arbeitszeit beeinflussen.

Das Ergebnis: Mehr als 50 Prozent der Befragten haben schon mal im Büro gedaddelt, 16 Prozent spielen mehrmals pro Woche, über 12 Prozent sogar täglich. Im Durchschnitt dauert so eine Computerspielesitzung genau 28,6 Minuten. Ob diese halbe Stunde in die Mittagspause fällt, haben die Forscher allerdings nicht ermittelt.

Kreative Pause für Angestellte

Als Gründe fürs Daddeln fielen den Forschern vor allem zwei Aussagen der Probanden auf. Die Angestellten schließen dann Excel-Tabellen und gönnen sich eine kreative Pause, wenn ihnen langweilig ist und sie sich erholen wollen. Doch Arbeitgeber sollten jetzt nicht die Verschwendung kostbarer Arbeitszeit beklagen, sagten die Forscher.

"Computerspiele lassen den Mitarbeiter für einen Moment den Arbeitsstress vergessen und wirken somit entspannend, zum anderen bieten sie Herausforderung und Erfolgserlebnisse und können so zu einer besseren Stimmung verhelfen", sagt der Hamburger Medienpsychologe Leonard Reinecke.

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Spiel, Spaß, Entspannung

Besonders gerne spielen Menschen, die mit viel Stress im Job zu kämpfen haben - und die wenig Unterstützung vom Chef oder den Kollegen bekommen. Die Gefahr, dass die Angestellten im Büro völlig ihren Job vergessen und den kompletten Arbeitstag verdaddeln, sieht Reinecke nicht.

Ein Suchtpotential bestehe vor allem bei Online-Rollenspielen, die in Echtzeit gespielt werden und den Spieler komplett in Beschlag nehmen. In deutschen Büros werden dagegen vor allem Casual Games gespielt, also eine oder mehrere Partien Online-Sudoku, Tetris oder Mahjong.

"Die Pause fürs Computerspielen sollte nicht negativ bewertet werden. Das ist vergleichbar mit der Zigarettenpause oder dem Biss in einen Apfel," bricht Reinecke eine Lanze für die Zocker. Natürlich bedeute die erholsame Wirkung keinen Persilschein fürs ungehemmte Spielen während der Arbeitszeit. Aber sie helfe die alltäglichen Belastungen zu bewältigen.

Dass das Daddeln noch weitere positive Auswirkungen hat, haben die Hamburger Forscher bereits in einer anderen Studie nachgewiesen. Menschen, die nach einer anstrengenden Textkorrekturaufgabe am Computer spielen durften, waren danach viel konzentrierter als Probanden, die nicht spielen durften. Wer also im Büro eine halbe Stunde am Tag daddelt, ist nicht nur gut erholt, er bringt danach sogar noch bessere Leistungen als die abstinenten Kollegen.

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