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Computerspiel "Eve Online":4000 Spieler bestreiten größtes Weltraumgefecht der Geschichte

Eine Weltraumflotte im Online-Spiel Eve

Eine verhältnismäßig kleine Flotte greift an - kein Vergleich zu den mehr als 4000 Spielern, die um den 6VDT-Sektor kämpften.

(Foto: Screenshot: CCP Games)

Seit Monaten sind sie verfeindet: Im Computerspiel "Eve Online" haben Tausende gleichzeitig um die Vorherrschaft gekämpft. Der entstandene Schaden ist durchaus real. 2900 virtuelle Raumschiffe wurden zerstört, die umgerechnet einen fünfstelligen Dollar-Betrag wert sein könnten.

Es ging mal wieder ums Öl - oder zumindest um das Science-Fiction-Gegenstück dazu: Im Spiel Eve Online haben sich in der Nacht zum Montag mehr als 4000 Spieler zur wohl größten Schlacht der Computerspielgeschichte zusammengefunden. In einem gewaltigen Weltraumgefecht, bei dem 2900 virtuelle Raumschiffe zerstört wurden, wurde um den Zugang zu virtuellen Rohstoffen gefochten, die im komplexen Wirtschaftssystem des Weltraumspiels eine wichtige Rolle spielen.

Beinahe acht Stunden dauerte das Kampfgetümmel an und brachte die Eve-Server an den Rand des Zusammenbruchs. Obwohl die Betreiberfirma CCP für die angekündigte Schlacht extra mehr Rechenpower bereitstellte, musste das Spieltempo auf ein Zehntel reduziert werden, um das massive Datenvolumen zu bewältigen.

Laut eines Berichts der Siegerpartei, der "CFC"-Koalition, habe es sich bei dem Gefecht in einem entlegenden Winkel des Eve-Universums möglicherweise um die Entscheidungsschlacht in einem seit mehreren Monaten tobenden virtuellen Krieg mit der "Test"-Allianz gehandelt. Anstatt zu fliehen, als die Niederlage bereits feststand, sollen sich die Unterlegenen in einer Verzweiflungstat den Angreifern weiter in den Weg gestellt und somit das Produkt vieler Tausend Spielstunden vernichtet haben

Größtmögliche Freiheit für die Spieler

Um sich als Spieler in Eve ein Raumschiff zu verdienen und an solch einer Schlacht teilzunehmen, ist virtuelle Arbeit nötig. Während ein einfaches Schiff schon in wenigen Stunden erspielbar ist, stecken in den größten Schlachtschiffen mehrere Tausend. Dafür schließen sich aber in der Regel mehrere Spieler zu sogenannten "Corporations" zusammen, die wiederum eine Allianz bilden können.

Die nötigen Rohstoffe für ein solches Großprojekt müssen abgebaut und anschließend weiterverarbeitet werden. Dann entstehen daraus Komponenten wie bestimmte Waffen oder Antriebssysteme, die über viele Stunden vom einen ans andere Ende der Galaxie transportiert werden - und dabei immer Gefahr laufen, von anderen Spielern gestohlen zu werden.

Schließlich landen Hunderte verschiedene solcher Rohstoffe und Produkte auf simulierten Marktplätzen und Börsen, wo sie an den Meistbietenden verkauft werden - und wo die Spieler die Preisschwankungen minutiös protokollieren und daraus Gewinn erzielen. Dabei genießt die Spieler-Community in Eve größtmögliche Freiheit. Das Entwicklerstudio CCP greift nur in Ausnahmefällen in den fragilen virtuellen Markt ein.

Community rechnet Verluste in echtes Geld um

Genau eine solche Ausnahme war es, die den Anlass für diese Schlacht lieferte: Weil ein bestimmter für den Schiffsbau besonders wichtiger Rohstoff knapper als erwartet ausfiel, besserte CCP nach und senkte den Bedarf. Die Folge: Die "Test"-Allianz kam zu unerwartetem Reichtum - und ihr Bündnispartner, die "CFC"-Koalition, erklärte den Krieg, der in die Schlacht um den 6VDT-Sektor mündete.

2900 Raumschiffe wurden dabei zerstört - eine Zahl, die von der Community wohl über kurz oder lang in einen realen wirtschaftlichen Verlust umgerechnet werden wird. So soll bei einer virtuellen Schlacht im Januar ein Schaden entstanden sein, der etwa 20.000 US-Dollar entspricht. Damals sind aber laut offizieller Angaben lediglich 220 - wenn auch hauptsächlich größere - Raumschiffe vernichtet worden.

Allerdings sind diese Vergleiche fragwürdig. Es gibt nicht einmal eine offizielle Möglichkeit, die virtuelle Währung ISK in echtes Geld umzutauschen. Auch haben die imaginären Handelsgüter keine realwirtschaftliche Entsprechung - mit einer Ausnahme: Für je 17,50 Euro können Gutscheine für 30 Tage Spielzeit gekauft und dann für derzeit etwa 500 Millionen ISK im Spiel wieder verkauft werden. Ein durchschnittlicher Spieler muss je nach Geschick etwa zehn bis 15 Stunden in Eve arbeiten, um diese Summe zu verdienen.

Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, in denen sich Spieler über die Regeln hinweg setzen und in Eve echtes Geld verdienen - auch mit unlauteren Mitteln. So hat sich vor einigen Jahren der Chef einer Spieler-geführten virtuellen Bank mit den ISK der Sparer aus dem Staub gemacht, sie in Spielzeit-Gutscheine umgesetzt, und diese dann für etwa 6000 US-Dollar verkauft. Der Rache der geprellten Spieler ist er aber entgangen: Als CCP vom Regelbruch erfuhr, wurde der Account des Täters gelöscht.