bedeckt München 16°

Computerspiel: Die Sims 3:Ohne Krise, ohne Kollaps

Ein mustergültiges Exemplar räumlichen Erzählens: "Die Sims 3" perfektioniert die erfolgreichste Computerspiel-Serie der Welt

Der Cursor ist ein Skalpell, aber obwohl das Fett langsam abläuft und die Wangenknochen immer spitzer werden, fließt kein Blut. Mit Mausklicks und Tasteneingaben formt man bei dem Videospiel "Die Sims 3" die Gesichter und Körper der Figuren, modelliert die Nase, verschiebt die Haaransatzlinie, bestimmt den Körperfettgehalt, und wird so zu einem plastischen Pixel-Chirurgen. In klassischen Videospielen wie "Pac-Man" oder "Super Mario Brothers" stehen das Ziel des Spiels und das Vermögen der Figur im Vordergrund, ihre Superkräfte, Bewegungsradien und Nehmerqualitäten.

Das Computerspiel "Die Sims 3" unterscheidet sich von anderen interaktiven Medienprodukten, weil es den Spieler nicht in fantastischen Räumen absetzt, sondern in einer Kleinstadt.

(Foto: Foto: EA)

In "Die Sims 3" aber ist der Look wichtiger als die Skills, beginnt das Spiel vor dem eigentlichen Spiel, im Creator Modus, wo man Physiognomie, Frisur und Modestil seiner Figur auswählt, und entscheidet, ob man nun Hausfrau, Nerd, Super-Model oder doch die nette Person von Nebenan spielen will. Vielleicht stutzt man ja kurz, weil man bemerkt, dass das menschliche Gesichter mit den gleichen Befehlen modelliert wird wie Möbel, Häuser und andere Kommoditäten, lässt es dann aber gut sein, und fügt der Game-Genesis das I-Tüpfelchen hinzu: einen Leberfleck auf der Wange.

Gott als Babysitter

Das Computerspiel "Die Sims 3" unterscheidet sich von anderen interaktiven Medienprodukten, weil es den Spieler nicht in fantastischen Räumen absetzt, sondern in einer Kleinstadt, und ihm die Aufgabe stelllt, einen selbst erschaffenen Miniatur-Menschen durch Alltag, Karriere und Sozialleben zu steuern. Sim ist eine Abkürzung für Simulated, der Mensch spielt das Mensch-Sein, und wer das irgendwie seltsam findet, sollte kurz mal jener Generationen gedenken, die mit den analogen Lebenssimulatoren Modelleisenbahn und Puppenhaus groß wurde. Die Sims sind ein Update dieses Prinzip, und kaum weniger erfolgreich als Barbie oder Playmobil - bislang wurden mehr als 100 Millionen Mal Einheiten verkauft. "Die Sims" gelten als die erfolgreichste Spiel-Serie aller Zeiten.

Die dritte Folge der Software-Soap wurde vor Verkaufsstart bereits 200.000 Mal illegal im Internet heruntergeladen, entgegen der üblichen Praxis, schrie der Hersteller jedoch nicht gequält auf, sondern deutete die Piraterie als Manifestation des enormen Marktpotentials, und machte die Zahl inoffiziell zum Teil der Marketing-Kampagne: Das Volk will ein virtuelles Volk. Die Werbeanzeigen lesen sich wie eine Stellenanzeigen für den Beruf "Gott". "Bestimme über das Schicksal der Sims" und: "Passe alles Deinen Wünschen an".

Computerspiel-Geschichte

Gewaltverherrlichend oder harmlos?