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Computerspiel "Darkest Dungeon":Im Verlies des Wahnsinns

Tod und Wahnsinn hinter jeder Ecke - das Computerspiel "Darkest Dungeon" macht sich einen Spaß daraus, seine Spieler zu überfordern. Aber sind düstere Atmosphäre und grimmiger Humor genug, um den Frust in Genuss zu verwandeln?

Von Matthias Huber

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Quelle: Red Hook Studios/PR

Tod und Wahnsinn hinter jeder Ecke: Das Computerspiel "Darkest Dungeon" macht sich einen Spaß daraus, seine Spieler permanent zu überfordern. Aber sind düstere Atmosphäre und grimmiger Humor genug, um den Frust in Genuss zu verwandeln?

Worum geht es in "Darkest Dungeon"?

Um finstere Verliese, furchteinflößende Skelette und fiese Dämonen. In diese Gesellschaft begibt sich, wer dem Ruf eines alten Grundbesitzers folgt, die düsteren Kellergewölbe unter seinem knorrig-morschen Herrenhaus zu erforschen. Das Problem: In diesem "Darkest Dungeon" warten nicht nur Gefahren auf den Spieler, die er mit den Zaubersprüchen, Schwertern und Pistolen seiner vier Helden bezwingen kann. Neben der Bedrohung für den Leib ist es vor allem die Bedrohung für die Seele, um die es in diesem per Kickstarter-Kampagne finanzierten Taktik-Rollenspiel geht. Denn wenn der Stress in den gruseligen Verliesen für die Abenteurer zu viel wird, dann entwickeln sie ein paar waschechte Persönlichkeitsstörungen. Und die lassen sich nicht einfach so mit einem Heiltrunk wieder loswerden.

Angespielt, nicht durchgespielt: Unsere Games-Kurzkritik "Screenshot" beantwortet Fragen zu den neuesten Computer- und Videospielen auf allen gängigen Plattformen. Und gibt einen ersten Eindruck, worauf Sie sich bei einem neuen Spiel freuen können - und wann Sie lieber noch skeptisch sein sollten.

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Was sieht vielversprechend aus?

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Quelle: Red Hook Studios/PR

Die Optik: Vordergründig ist die Idee, die Figuren beinahe ohne Animationen wie Scherenschnitte an der Kamera vorbeidackeln zu lassen, natürlich der Sparsamkeit der Entwickler zu verdanken. Aber die liebevoll comichaften Zeichnungen und die vielen kleinen Effekte lassen die Budget-Entscheidung zum eigenen Stil erwachsen und geben dem grimmigen Humor von "Darkest Dungeon" genau das richtige Gewand.

Und dann sind da noch die Persönlichkeitsstörungen und kleineren und größeren Geisteskrankheiten, die das untotenverseuchte Leben unter Tage offenbar so mit sich bringt. Wer beispielsweise einmal zu oft vergisst, rechtzeitig eine neue Fackel anzuzünden, ehe die Schatten zu düster werden, dem könnte folgendes drohen: Der kleptomanische Alchimist bedient sich unverhohlen an der Gruppenkasse und dem kargen Proviant. Der Kreuzritter hat seinen Hang zum Masochismus entdeckt und nutzt die Kampfpausen, um sich selbst mit dem Knüppel zu malträtieren. Und der Messerstecher weigert sich, von der Priesterin noch einen Heilzauber anzunehmen - weil er dank seiner ausgewachsenen Paranoia befürchtet, als Frosch oder Schlimmeres zu enden.

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Warum sollte man trotzdem skeptisch sein?

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Quelle: Red Hook Studios/PR

"Darkest Dungeon" ist kein Spiel für jeden. Wer mit dem Anspruch an das Spiel geht, jede Aufgabe zu meistern, wird daran verzweifeln. Die eigentliche Herausforderung des Taktik-Rollenspiels besteht darin, zu erkennen, wann man sich und seinen Spielfiguren zu viel zumutet - und dann eben auch mal rechtzeitig den ehrenhaften Rückzug ins Dorf anzutreten. Das ist als Konzept reizvoll, aber kann sich beim Spielen schnell in ein Gefühl von Frust wandeln. Zumal die vom Computer generierten Verliese auch mal ganz unverhofft mit einer unfairen Falle aufwarten, die ausgerechnet den Lieblingshelden das Pixelleben kostet.

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Woran erinnert "Darkest Dungeon"?

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Quelle: Red Hook Studios/PR

Wer den "Darkest Dungeon" bezwingen will, muss vor allem Mängel verwalten. Nichts ist jemals genug. Jeder Schlag, den Figuren wie der Wegelagerer Dismas oder der Kreuzfahrer Reynald abbekommen, reißt ein klaffendes Loch in die kargen Lebenspunkte, die sich kaum wieder auffüllen lassen. Der Stress-Level, ein zweiter Zahlenwert, steigt mit jeder Aktion und jedem Erlebnis bis zu der Schwelle, ab der eine neue Krankheit oder Charaktereigenschaft droht. Eine unvorsichtige Entscheidung kann den Tod bedeuten - und der ist, wie im Genre der sogenannten "Rogue-likes" üblich, endgültig. Das Laden eines alten Spielstandes ist nicht möglich. Hat der Spieler die Helden rücksichtslos verheizt und aufgerieben, muss er das Spiel womöglich ganz von vorne beginnen.

Hinzu kommt eine zweite strategische Ebene, die an die "X-Com"-Spiele erinnert: Zwischen den einzelnen Missionen ist es Aufgabe des Spielers, nach und nach eine Infrastruktur zu erschaffen. Eine Karawane bringt neue und noch unversehrte Abenteurer für die aufreibenden Expeditionen. In der Taverne oder in der Kirche können sich die Helden zwischendurch ausruhen und ihre geistige Gesundheit wenigstens etwas länger erhalten. Ein Schmied stattet die graubraune Truppe mit Waffen aus. All diese Institutionen kosten aber Goldstücke - und diese gilt es, im "Darkest Dungeon" mühsam zu verdienen.

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Was passiert, wenn man das Spiel zum ersten Mal startet?

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Quelle: Red Hook Studios/PR

Diese Stimme! Wie eine Mischung aus Liam Neeson und Sean Connery, vorgetragen mit der Gravitas von Vincent Price! "Ruin has come to our family", beginnt der Monolog, eine alte Hand kritzelt mit einem Federkiel unleserliche Schrift auf eine Rolle Pergament. Die Stimme erzählt vom Anwesen eines alten Adelsgeschlechts, und wie in den Kellergewölben darunter eine Pforte entdeckt wurde, hinter der das Böse lauert. "Ich flehe dich an", sagt der alte Mann, "kehre nach Hause zurück, erhebe Anspruch auf dein Geburtsrecht und erlöse unsere Familie von den gefräßigen, erstickenden Schatten des Darkest Dungeon!"

Eine Vorab-Version ("Early Access") von "Darkest Dungeon" ist seit 3. Februar für Windows und OS X erhältlich. Versionen für Tablets und Spielkonsolen sind in Planung.

© Süddeutsche.de/luk/dd

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